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Celle Stadt Katharina Witerzens verwandelt „Kunst & Bühne“ in Schaubude
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Katharina Witerzens verwandelt „Kunst & Bühne“ in Schaubude
09:49 29.11.2010
Katharina Witerzens in der Rolle der Papierreißkünstlerin „Ching Chang Fu“ als Freiheitsstatue. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Witerzens hat eine umfassende Schauspiel-, Clown- und Maskenspiel-Ausbildung in Hannover, London und Bristol absolviert, ist als Klinik-Clown tätig und tritt in international agierenden Theatergruppen auf. Mit ihrer „Schaubude“ präsentierte sie nun in Celle unter dem Titel „Wunder, Monster, Sensationen“ ihr erstes Solo-Programm. Und das konnte sich wahrlich sehen lassen. Mit großartiger Mimik („Eigentlich wollte ich Pantomimin werden“), erstaunlicher Körperbeherrschung und unglaublich viel Charisma verkörperte sie quasi selbst den roten Faden, an dem sie sich mit verhaltener Ironie und tief schürfender Hintergründigkeit durch ihr Programm hangelte.

Vor den Augen des Publikums griff sie in ihr Schminkköfferchen, wechselte mit wenigen Handgriffen Masken und Kostüme und mit ihnen die jeweiligen Emotionen. Dabei machte sie deutlich, dass nicht jeder Clown eine rote Nase trägt und auch keinesfalls immer zum Lachen sein muss. Vielmehr machte sie das Publikum zu nachdenklichen Schaulustigen, als sie in der Rolle der einst als „hässlichste Frau der Welt“ titulierten „Madame Juliette“, als kleinwüchsige „Prinzessin Perla“ und als „Schrecken in Person“ die typischen (un)menschlichen Attraktionen früherer Jahrmärkte auf die Bühne brachte. Durch flehende Gesten und leere Blicke ließ sie die Einsamkeit dieser zur Schau gestellten unglücklichen Personen ebenso spürbar werden wie ihre Sehnsüchte, verkörpert durch die Schwerelosigkeit eines kleinen Kettenkarussells. Hereinspaziert – ein tiefgründig unterhaltendes Programm auf beachtlich hohem Niveau.

Von Rolf-Dieter Diehl