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Celle Stadt Kein Ökostrom für den Landkreis
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kein Ökostrom für den Landkreis
17:04 15.02.2012
Celle Stadt

Die Stadt Celle schreibt ihren Strom schon entsprechend aus, im Landkreis wird es wohl noch eine Weile dauern. Eine Mehrheit aus CDU, Wählergemeinschaft und FDP lehnte den Antrag in der jüngsten Sitzung des Kreissausschusses ab.

"So etwas geht nur, wenn Aufpreise gezahlt werden", begründete Joachim Müller (CDU) sein Votum. Mehrkosten von etwa 45.000 Euro pro Jahr seien zu erwarten gewesen. Zudem sei der Öko-Strom "eine rein-demonstrative Sache, physikalisch gibt es den nicht." Aus der Steckdose komme immer der gleiche Strommix.

Auch Jutta Krumbach (FDP) lehnte den Antrag ab: "Ich als Privatperson kann frei entscheiden", sagt sie in Bezug auf den Strompreis. Aber bei mindestens zehn Prozent höheren Kosten für den Landkreis zähle "die Pflicht beim Umgang mit den Steuermitteln".

"Die Vorlage der Verwaltung zeigte, dass es keinen Vorteil bringt", sagte Eberhard Valentin (WG). So argumentiert auch Reinhard Toboll, Leiter des Amtes für zentrale Dienste beim Landkreis, gegen den Antrag. Außerdem: "Das Europarecht lässt ökologische Aspekte bei der Vergabe zu. Es muss jedoch ein zusätzlicher Nutzen für die Umwelt entstehen." Diesen konnte die Kreisverwaltung nicht feststellen. Vielmehr müsste "reiner Öko-Strom" aus dem Ausland importiert werden, "was wir als Energiewende wollen, wird damit nicht erreicht."

980.000 Euro sind im Kreishaushalt 2012 für Stromkosten veranschlagt, 900.000 Euro zahlte der Kreis im Jahr 2010, berichtet Toboll. Die Differenz zu den von Müller genannten 45.000 Euro Mehrkosten als Aufschlag von zehn Prozent ergibt sich aus Fixkosten.

Maximilian Schmidt (SPD) machte in dieser Woche mit einer Pressemitteilung seiner Enttäuschung Luft: "Mit einem klaren Signal für erneuerbare Energien hätte der Kreis eine Spitzenposition einnehmen können – stattdessen bleibt es in der Konsequenz bei Atomstrom und fossilen, also endlichen Brennstoffen." Anders in Hannover: Die dortige CDU-Fraktion beantragt derzeit, zum nächstmöglichen Zeitpunkt auf regenerative Energien umzustellen, "leider ist die hiesige CDU bei weitem nicht so weit", kommentiert Schmidt.

Die Fraktion der Grünen kritisiert die Entscheidung mit deutlichen Worten: "Der Landkreis Celle wird seiner Vorbildfunktion nicht gerecht. Der Landrat hat scheinbar keinerlei Interesse an einem Strombezug ohne Atomenergie. CDU und WG generieren sich als Verfechter des Atomstroms, obwohl gerade im Landkreis Celle eine erhebliche Wertschöpfung durch regenerativ erzeugtem Strom erfolgt", teilte Gerald Sommer mit. Die Grünen stellen im nächsten Gebäudewirtschaftsausschuss einen ähnlichen Antrag zur Abstimmung. Sommer: "Mir war es wichtig, den Antrag weiterhin in der Beratung zu halten, damit wir dann spätestens in 2015/16 endgültig auf Ökostrom umstellen."

Von Isabell Prophet