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Celle Stadt Kein erstklassiges Konzert des Berliner Philharmonischen Klavierquartetts im Celler Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kein erstklassiges Konzert des Berliner Philharmonischen Klavierquartetts im Celler Schloss
08:05 28.09.2016
Celle Stadt

Man spielte technisch insofern souverän, als man die richtigen Töne in einem angemessenen Tempo auf teilweise virtuose Weise musizierte. Das hatte Niveau. Aber einen tieferen Eindruck haben die vier Musiker in Celle nicht hinterlassen. Dazu war sowohl das Programm zu gleichförmig, als auch das Zusammenspiel keineswegs über alle Zweifel erhaben. Man hatte das Gefühl, dass die aufgeführten Stücke von Mahler, Brahms und Schumann zwar irgendwann einmal einstudiert worden sind, dies aber doch schon eine längere Zeit her ist.

Immer wieder war unüberhörbar, dass die Phrasierungen in den einzelnen Stimmen nur oberflächlich aufeinander bezogen waren. Von einer klanglichen Abstimmung der einzelnen Instrumente aufeinander gar nicht zu reden. Dazu kam noch, dass der erste Geiger in Intonation und Klanggebung wenig überzeugte. Und der Cellist übertrieb sein Vibrato reichlich. Generell schienen die vier Musiker eine besondere Freude an größerer Lautstärke zu haben. Dass gerade ein Stück wie das einsätzige Klavierquartett von Gustav Mahler von den Feinheiten lebt, das ging vollkommen unter.

Das Schumann-Klavierquartett wurde anschließend musikalisch so glatt gebügelt, dass man die Abgründe dieser Musik nur erahnen konnte. Einzig das Finale überzeugte mit einem schwungvollen Tempo, das die Zuhörer mitzureißen in der Lage war. Musikalisch mehr in die Tiefe gehend war dann die Wiedergabe des C-Moll-Klavierquartetts von Johannes Brahms, aber auch hier erstaunten immer wieder Phrasen, bei denen man das Gefühl hatte, dass die Töne in der Partitur abgespielt wurden, ohne deren inneren Sinn erfasst zu haben.

Und auch hier meinte man seitens der Ausführenden offenbar, dass man mittels Lautstärke über die musikalisch-gestalterische Schwäche des eigenen Vortrags hinwegtäuschen könnte. Sie blieb aber leider unüberhörbar. Die spritzige Beethoven-Zugabe zeigte, dass dieses Ensemble auch überzeugender und inspirierter spielen kann, als das vorher zu erleben war. Kein erstklassiger, aber sicher ein guter Saisonauftakt im Celler Kammermusikring.

Von Reinald Hanke