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Celle Stadt Keine Angst vor Effekten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Keine Angst vor Effekten
18:49 15.09.2013
Celle Stadt

Aufstieg und Fall eines Stars: Kaum eine Biografie verdeutlicht derart die Tücken, die im Showbusiness lauern, wie diejenige von Judy Garland. Von der Mutter auf Erfolg gedrillt, schon als Kind abwechselnd mit Schlaf- und Aufputschmitteln abgefüllt, machte die als Frances Ethel Gumm geborene Schauspielerin und Sängerin zwar rasant Karriere, bekam für ihre Dorothy im „Zauberer von Oz“ einen Jugend-Oscar – doch das Glück fand sie dadurch nicht. Schon bald säumten Abstürze ihren Weg, die immer fatalere Formen annahmen, und mit gerade einmal 47 Jahren starb Judy Garland durch eine Überdosis Pillen.

Regisseur Uwe Niesig lässt diese Geschichte in einem hohen Grundtempo spielen und scheut vor allerlei Effekten nicht zurück. So drücken die Akteure, die fast durchweg Mehrfachrollen haben, Befindlichkeiten häufig über Körperposen aus, die recht extreme Formen annehmen können, aber größtenteils Sinn ergeben. Einer, dem solche physische Präsenz besonders liegt, ist Jürgen Kaczmarek, der als Filmstudio-Boss Louis B. Mayer auch schon mal im Kopfstand zeigt, mit welch harten Bandagen in diesem Metier gekämpft wird.

Zuweilen wird es ziemlich albern, und im Einzelfall wird es derart albern, dass die Sache schon wieder Spaß macht. So avanciert Axel Pape als Klatschkolumnistin Hedda Hopper zum Publikumsliebling, weil die Regie ihn ganz und gar von der Leine lässt. Männer in Frauenkleidern sind auf der Bühne einigermaßen heikel, weil stets die Gefahr einer billigen Transen-Show droht. Wenn Pape allerdings erst gar nicht versucht, damenhaft zu sein, nimmt die Darstellung fast schon surreale Qualitäten an.

Die Titelfigur wird von zwei Darstellerinnen verkörpert: Den Kinderstar gibt Julia Malkowski, dann übernimmt Gabriela Lindlova. Ihre Darstellung ist facettenreich und vor allem auch in gesanglicher Hinsicht überzeugend – mit ihrer prägnanten, modulationsfähigen, wenngleich nicht sonderlich voluminösen Stimme deckt sie eine große Bandbreite ab. Das vierköpfige „Kozma Orkestar“ liefert eine kompetente Instrumentalbegleitung. Lindlovas sehr theatraler Sprachduktus wirkt auf die Dauer etwas anstrengend, passt aber zu einer Figur, die den Unterschied zwischen der großen Show und dem richtigen Leben wohl nie wirklich begriffen hat.

Ein großer Pluspunkt der Inszenierung ist das Bühnenbild. Da Regisseur Niesig auch als Lichtkünstler arbeitet, weiß er die Beleuchtung entsprechend atmosphärisch einzusetzen.

Fazit: ein weitgehend runder Abend, zu dem auch der hollywooderfahrene Starschauspieler Claude-Oliver Rudolph als „Creative Director“ seinen Teil beigetragen hat. Viel Szenenbeifall, kräftiger Schlussapplaus. Jörg Worat

Von Jörg Worat