Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Keine Zügel für Tiger-Dompteure
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Keine Zügel für Tiger-Dompteure
17:49 09.09.2013
Von Michael Ende
Aus Sicht des Bundesgesetzgebers kein Problem: Mit seinen sieben weißen bengalischen Tigern übt Raubtierlehrer Gerd Siemoneit-Barum in der Manege.  Quelle: Wolfgang Weihs
Celle Stadt

Elefanten, die zum Kopfstand genötigt werden; Tiger, die durch einen Reifen springen müssen – ist das artgerecht? Wohl kaum. Muss das sein? Wohl kaum. Angesichts der Art und Weise, wie Wildtiere immer noch in Zirkussen vorgeführt werden, haben die Celler Liberalen eine Initiative gestartet. "Wir wollen mit dem Antrag das Zeichen setzen, dass Celle keine Tierquälerei unterstützt. Wilde Tiere gehören nicht in fahrende Zirkusbetriebe, sie können dort nicht annähernd artgerecht untergebracht werden", so FDP-Ratsfraktionsvorsitzender Joachim Falkenhagen. Seine Forderung: "Eine Vergabe von Flächen nur an Zirkusse ohne Wildtiere."

Mit einer entsprechenden Regelung würde Celle nicht allein da stehen. Städte wie Bonn, Köln, Speyer, Worms, Potsdam, Hofheim im Taunus und viele andere Kommunen in Deutschland böten Zirkussen mit Wildtieren keinen Platz mehr, so Falkenhagen. Unterstützung erhält er dabei von der Tierrechtsorganisation PETA, die auch schon an OB Dirk-Ulrich Mende (SPD) appelliert und gefordert hatte, künftig keine "Tierquälereien" wie Reptilien- oder Spinnenshows in städtischen Liegenschaften zu dulden. „Wir wissen, dass die Celler Bürger ein Herz für Tiere haben, deshalb wollen sie keine Elefanten in Ketten und Tiger in winzigen Käfigen mehr sehen, die mit der Peitsche durch die Manege getrieben werden", sagt Diplom-Zoologe Peter Höffken, Kampagnenleiter bei PETA.

Der städtische Umweltausschuss wird sich in seiner Sitzung, die am morgigen Mittwoch um 17 Uhr im neuen Rathaus beginnt, mit dem Thema befassen. Und dazu gebe es verschiedene Sichtweisen, so die Verwaltung: "Das Thema pro oder kontra Wildtierhaltung ist nicht eindeutig gewichtet oder gar juristisch entschieden. So hat vor allem der Zirkus Krone tierärztliche Gutachten, wissenschaftliche und rechtliche Stellungnahmen etwa der Interessengemeinschaft Deutscher Circusunternehmen (IDC) und dem Berufsverband der Tierlehrer gesammelt, die durchaus eine gegenteilige Meinung darstellen und begründen sollen." In der Rechtsprechung habe beispielsweise das Verwaltungsgericht Chemnitz ein entsprechendes Verbot als rechtswidrig erachtetet.

Für das Gebiet der Stadt Celle sei der Landkreis zuständige Veterinärbehörde, so die Verwaltung: "Die Amtsveterinärin überprüft jeden der vor Ort gastierenden Zirkusse bei der Ankunft in Celle. Die Zirkusse sind verpflichtet, sich vorab anzumelden und Prüfbücher mitzuführen, in denen von den jeweiligen Veterinärämtern die Kontrollen und etwaige tierschutzrechtliche Verstöße vermerkt sind." In der Vergangenheit sei kein "eklatanter Fall" aufgefallen: "Insofern wird von dort das geltende Tierschutzrecht kontrolliert und durchgesetzt." Die Stadt Celle habe keine Satzungs- oder Verordnungskompetenz für ein Wildtierverbot, weil dafür der gesetzliche Rahmen fehle: "Beschlüsse des Rates wären rechtswidrig." Michael Ende