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Celle Stadt Keine Zunahme an autistischen Kindern in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Keine Zunahme an autistischen Kindern in Celle
14:43 12.12.2013
Von Oliver Gatz
Kinder mit Asperger-Syndrom sind in ihrer sozialen Interaktion und Kommunikation schwer beeinträchtigt. Quelle: Martina Hancke
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"In den vergangenen vier Jahren haben wir keinen Anstieg der diagnostizierten Fälle von Autismus verzeichnet", sagt Dr. Joachim Riedel. Er ist Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) am AKH – eine medizinische Einrichtung, die Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsstörungen, neurologischen und anderen chronischen Erkrankungen oder Behinderungen betreut.

Dass dennoch die Zahl der Schulbegleitungen für Kinder mit seelischer Behinderung, zu der das Asperger-Syndrom gehört, in Celle zunehmen, könnte daran liegen, dass frühere diagnostizierte Fälle im Zuge der Inklusion nach und nach in den Regelschulen auflaufen. "Mit dem sukzessiven Wegfall der Förderschulen kommen mehr problematische Kinder – nicht nur Autisten – an die Regelschulen, für deren Betreuung oft noch zu wenig fachliche und personelle Kapazitäten vorhanden sind", sagt Riedel. Die Zunahme an Schulbegleitungen hat zur Folge, dass die Kosten für Eingliederungshilfe bei der Stadt explosionsartig steigen.

Von knapp 4000 behandelten Fällen pro Jahr am SPZ waren nach Riedels Angaben 2010 insgesamt 66 mit einer autistischen Störung, 2011 waren es 61, im darauffolgenden Jahr 65 und in diesem Jahr 50 Patienten. „Auch die Zahl der Kinder, die uns mit dem Verdacht auf eine solche Störung vorgestellt wurden, den wir dann aber nicht bestätigt haben, ist relativ gleichbleibend", fügt der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin hinzu. So gab es 2010 71 Verdachtsfälle, 2011 waren es 79. 2012 zählte das SPZ 93 Fälle und in diesem Jahr 84.

Die Anträge auf Eingliederungshilfe, zu der die Schulbegleitung gehört, stellen die Eltern der behinderten Kinder. Sie erhoffen sich eine bessere Betreuung ihrer Schützlinge durch persönliche Begleiter an den Regelschulen, die sich im Unterricht ganz individuell den Jungen und Mädchen widmen. Doch dazu ist ein medizinisches Gutachten erforderlich. Anlaufstelle für die Eltern ist dann das SPZ.

„Die Eltern kommen zu uns, um eine Erklärung für das auffällige Verhalten ihres Kindes zu bekommen", erläutert Riedel. Eine Vorstellung erfolge ausschließlich auf Überweisung der Kinder- und Jugendärzte oder Hausärzte. „Manchmal geben Erzieherinnen oder Lehrerinnen den Eltern die Anregung dazu", fügt Riedel hinzu. Die meisten Eltern wünschten sich, dass ihr Kind gesund und ganz normal sei. „Der Wunsch, für sein Kind die Diagnose Autismus zu erhalten, ist die absolute Ausnahme", betont der Mediziner.

Kinder mit Asperger-Syndrom sind in ihrer sozialen Interaktion und Kommunikation schwer beeinträchtigt. „Welche pädagogische Betreuung ein solches Kind benötigt, ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich", sagt Riedel. Nicht jedes Kind benötige eine Schulbegleitung. Für einige Kinder sei sie aber erforderlich.