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Celle Stadt „Kelly Bastian – Geschichte einer Hoffnung“ feiert Premiere im Malersaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Kelly Bastian – Geschichte einer Hoffnung“ feiert Premiere im Malersaal
16:33 11.09.2017
Johanna von Gutzeit und Thomas Wenzel (von links) spielen das Zweipersonenstück „Kelly Bastian – Die Geschichte einer Hoffnung“ im Malersaal des Celler Schlosstheaters. Quelle: Alex Sorokin
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Nach der überaus gelungenen Premiere von „Cabaret“ am Tag zuvor hatte jetzt im Malersaal das Zweipersonenstück „Kelly Bastian – Geschichte einer Hoffnung“ mit den Schauspielern Johanna von Gutzeit und Thomas Wenzel seine erfolgreiche und mit viel Beifall aufgenommene Premiere. Es entspricht in seinem Inhalt nicht nur dem Leitgedanken, sondern spiegelt unter der Regie von Carolin Millner gleichzeitig in eindrucksvoller Weise auch einen wichtigen Teil bundesdeutscher Geschichte wider. Zwar liegt die letztlich tragische Beziehung zwischen der Friedensaktivistin Petra Kelly und dem Ex-Bundeswehrgeneral Gert Bastian, beide Abgeordnete der Grünen für den Deutschen Bundestag, inzwischen weit zurück; der Konfliktreichtum der beiden Zeitfiguren und schließlich das tragische Ende lassen sich jedoch zurückführen auf den Versuch, aufrichtig und konsequent zu sein. „Kelly Bastian“ basiert auf den Recherchen zu dem Buch „Eine tödliche Liebe“ von Alice Schwarzer. Wolfgang Menge hat die Thematik zu einem Fernsehspiel und einer Theaterfassung umgearbeitet. Dabei entstandene Ungenauigkeiten hat man im Schlosstheater mit historischen Dokumenten korrigiert.

In ihrer Inszenierung verzichtet Regisseurin Carolin Millner bis auf einige Stühle und Videoeinspielungen auf jegliche Requisiten und setzt ganz auf die mehr und mehr sich schürzende Spannung durch das gesprochene Wort mit allen Facetten. Und das ist gut so. Nichts lenkt den Zuschauer ab von den Problemen jener Zeit: Bundeswehr und Sowjetmacht, Pershing-II-Raketen und AKW-Bewegung, Tschernobyl und Nato-Doppelbeschluss bis hin zur Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau und der Rotation zwischen den Abgeordneten der Grünen. Petra Kellys Visionen von einer friedlichen Welt und einer neuen Art des Zusammenlebens reichen bis zum Fanatismus mit verbaler Gewalt und führen einerseits zu heftigsten Diskussionen zwischen ihr und Gert Bastian, aber auch zu starker innerer Annäherung zwischen beiden andererseits. Politische und private Konflikte nehmen zu und beginnen sich zu vermischen.

Das stets hohe Sprechtempo, verbunden mit intensiven Gefühlsregungen jeglicher Art, bewältigen Johanna von Gutzeit und Thomas Wenzel mit Glaubwürdigkeit und Bravour, genauem Timing und bewundernswerter Textsicherheit. Eine großartige Leistung von beiden. Die tödlichen Schüsse, die Gert Bastian zunächst auf seine Partnerin im Schlaf und dann auf sich selbst abgibt, bleiben dagegen erfreulich unspektakulär.

Was hat sich seither geändert? Fragen, die jeder Zuschauer am Ende für sich selbst beantworten muss. Langer, kräftiger Beifall am Schluss für eine rundum gelungene Leistung.

Von Hartmut Jakubowsky