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Celle Stadt Kindliche Appelle an die menschliche Zivilisation
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kindliche Appelle an die menschliche Zivilisation
20:56 01.02.2010
Der kleine Prinz Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Der kleine Prinz hat seinen kleinen Planeten, seine drei Vulkane und seine zickige Rose, die er über alles liebt, verlassen und reist von Stern zu Stern, um zu lernen und zu verstehen. Eine elegische Fabel, Märchen für Kinder, Parabel für Erwachsene, deren an die menschliche Zivilisation gerichteten Appelle heute fast noch aktueller sind als bei ihrer Entstehung im Jahr 1943.

Ekaterina Kozhanova spielte die Titelrolle mit leichtfüßiger Ernsthaftigkeit und hauchte der Fantasiefigur gleichermaßen Kindliches, Kluges und Weises ein. Sie zelebrierte geradezu das Erstaunen des kleinen Prinzen über die sinnlose Selbstbeschäftigung der Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet. Da war der König, der über alles herrscht und doch allein ist, dann der Geschäftsmann, der die Sterne zählt und sich reich glaubt, oder der Geograph, der über seinen Büchern und Tabellen längst verlernt hat, die Welt um sich herum einfach mal mit offenen Augen zu betrachten.

Regisseurin Liudmyla Vasylieva hat den berührenden Zauber der Geschichte sparsam und zurückhaltend inszeniert, mit sinnvoll unterstützenden multimedialen Mitteln, jedoch ohne ablenkende Show-Effekte. Und sie ließ dem kleinen Prinzen die Poesie, die der Romanvorlage innewohnt, ohne dadurch die philosophischen Fragen zu vernachlässigen. Sie wurden gestellt, aber nicht mit pädagogischer Penetranz. Etwa als der kleine Prinz vom Fuchs lernt, wie man sich einen Freund vertraut macht: Erst nähert man sich ein bisschen, dann noch ein Stück und jeden Tag ein bisschen mehr, bis man einander wertvoll ist, so wertvoll, dass man nicht mehr wie die zickige Rose nur eine schöne Blume unter lauter schönen Blumen ist, sondern einzigartig – wie jedes Individuum.

Von Rolf-Dieter Diehl