Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Kino achteinhalb in Celle feiert 20. Geburtstag
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kino achteinhalb in Celle feiert 20. Geburtstag
08:04 06.02.2015
Morgen ab 19 Uhr zeigt das Kino achteinhalb Kurzfilme. Der Eintritt - ist frei. Zum Jubiläum gibt es auch Knabbereien und Getränke. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Schweren Herzens stellte das Kino achteinhalb auf die neue Technik um. Jetzt fehlt etwas im 90-Quadratmeter-Raum in der ersten Etage im Gebäude 11 auf dem Gelände der CD-Kaserne: das Surren und Knattern des Projektors. Doch eines bleibt – zumindest am Wochenende: Die 15 Minuten, in denen früher die Filmspule gewechselt wurde. „Die Pause ist identitätsstiftend für uns“, sagt Gründungsmitglied Stefan Eichardt. Die Auszeit wird genutzt, um ins Gespräch zu kommen. Eichardt hat noch miterlebt, wie die Ehrenamtlichen vor zwanzig Jahren in ihrer Freizeit den kleinen Saal herrichteten: einige Stühle, die Garderobe zimmerten und auch die Heizung einbauten. „In den ersten Monaten haben wir Decken verteilt, damit den Besuchern nicht kalt wurde.“

Eichardt ist der Einzige unter den 17 Vereinsmitgliedern, der seit Beginn dabei ist. Er hat auch einige Krisen miterlebt. Wegen Brandschutzvorschriften oder auch wegen zu vieler Reservierungen. Oft ausverkauft zu sein, kann dem Ruf schaden, wenn sich der Verein gerade darüber definiert, unabhängiges Autorenkino werbefrei aufzuführen. „Wir zeigen nur Filme, die nicht darauf zielen, dem Publikum das Geld aus der Tasche zu ziehen“, sagt Eichardt. An einem Filmabend sind zwei Ehrenamtliche vor Ort, nehmen den Eintritt von fünf Euro entgegen, kümmern sich um die Technik und verkaufen günstig Getränke. Hier gibt es noch ein volles Glas Wein für 2,50 Euro. Es komme häufiger vor, dass die Gäste nach Filmende den ganzen Abspann lang sitzen bleiben und in einer Kneipe weiter über den Film diskutieren. Gerne nimmt das Kino achteinhalb auch Publikumswünsche entgegen. Mittlerweile stehen 850 Namen auf dem E-Mail-Verteiler.

Das Jubiläum wird am Samstag ab 19 Uhr gefeiert. Den ganzen Abend lang werden Kurzfilme gezeigt. Auch Fingerfood und Sekt gibt es umsonst. „Es wird ein Kommen und Gehen“, kündigt Eichardt an. Denn die Celler können gerne im Laufe des Abends dazustoßen.

Am Samstag erläutert Eichardt auch gerne den Ursprung des Namens achteinhalb. Er ist inspiriert vom gleichnamigen Film Federico Fellinis, der von der Schaffenskrise eines Regisseurs handelt. „Mit achteinhalb verbindet man nichts“, erklärt Eichardt. Im Laufe der Jahre hat der Verein auch viele Konzerte, Lesungen und Theateraufführungen organisiert. „Der Verein ist zu dem geworden, was die Leute unter seinem Namen gemacht haben.“ Dahinter verberge sich die Einstellung: „anfangen, gucken, ausprobieren.“ Das sei etwas Besonderes, denn in Städten gebe es immer weniger öffentliche Räume für Kontroversen.

Von Dagny Rößler