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Celle Stadt Kita-Streik in Celle: Eltern müssen improvisieren
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kita-Streik in Celle: Eltern müssen improvisieren
19:45 11.05.2015
Von Oliver Gatz
Regulärer Betrieb läuft weiter: Die DRK-Kindergärten sind nicht vom Streik betroffen. Quelle: Peter Müller (Archiv)
Celle Stadt

Dass in der Kita Fuhsestraße demnächst gestreikt wird, hat sich unter den Eltern herumgesprochen. Bei manchen herrscht Nervosität, wie sie eine Betreuung ihrer Kinder dauerhaft sicherstellen können. Andere bleiben gelassen. „Ich bin Hausfrau“, sagt eine 28 Jahre alte Mutter, die gerade ihre vierjährige Tochter aus der Tagesstätte abholt. „Ich habe kein Problem, wenn das Kind zu Hause ist.“ Die Cellerin zeigt Verständnis für den unbefristeten Streik. „Meine Schwägerin ist Erzieherin. Die Arbeit belastet sie auch in ihrer Freizeit.“

Auch ein 36 Jahre alter Vater ist nicht auf den Betreuungsplatz für seinen sechsjährigen Sohn im Kindergarten Fuhsestraße angewiesen. „Wir persönlich haben keine Schwierigkeiten mit dem Streik“, sagt er. Seine Frau werde sich um den Jungen kümmern.

Leila Dallüge hat das Glück, dass in der Kindertagesstätte in Groß Hehlen die Erzieherinnen vorerst nicht die Arbeit niederlegen und sie noch bis Anfang Juni in Elternzeit ist. Wäre der Streik in den Juni gefallen, wäre es für sie und ihren berufstätigen Mann schwierig geworden, eine Betreuung für ihre beiden Kinder zu gewährleisten. „Dann wären wir wohl auf eine Notgruppe angewiesen – oder ich müsste mir freinehmen. Alles andere ginge ja gar nicht“, sagt die 32-Jährige.

Die Streiks der Erzieherinnen begannen gestern in den Celler Kindertagesstätten Neustädter Holz, Scheuen, St. Georg-Garten, Waldweg, Welfenallee und Wietzenbruch. Notgruppen waren zunächst für die Kitas Neustädter Holz, Welfenallee und Wietzenbruch vorgesehen. „Bei uns sind keine Katastrophenmeldungen eingegangen“, berichtet Michael Kessel, Fachdienstleiter Kindertagesbetreuung bei der Stadt. Allerdings habe man nicht alle Elternwünsche nach einer Notgruppe erfüllen können, räumt er ein. Zum Teil habe es Engpässe gegeben. Die Stadt versuche aber, diese über andere Einrichtungen abzufedern.

In den Kindergärten des DRK in Garßen und Altencelle sowie in den kirchlichen Einrichtungen lief hingegen der Betrieb normal weiter, berichteten Eltern. Eine 36 Jahre alte Mutter atmet erleichtert auf. „Grundsätzlich wäre ich bei einem Streik auf eine Betreuung für meinen vierjährigen Sohn angewiesen“, sagt sie. Andere Familienmitglieder könnten nicht einspringen. „Die Omas von unserem Kleinen sind noch genauso beruflich tätig wie ich. Wir müssten versuchen, das irgendwie anders zu regeln.“

Das kann im Einzelfall bedeuten, dass Eltern eine Lösung mit dem Arbeitgeber suchen müssen. Wenn klar ist, dass die Kita bestreikt wird, keine staatliche Betreuung sichergestellt ist und auch niemand anderes auf das Kind aufpassen kann, sollten sich berufstätige Eltern möglichst schnell bei ihrem Chef melden, raten Arbeitsrechtler. In diesem Fall dürfen sie bei der Arbeit fehlen, mit einer Kündigung oder Abmahnung müssen sie nicht rechnen.

Ob berufstätige Eltern ihr Kind mit an den Arbeitsplatz nehmen dürfen, hängt vom Betrieb ab. Einfach mit dem Nachwuchs morgens am Schreibtisch aufzutauchen, sei keine gute Idee, meint Arbeitsrechtler Ulrich Kanders. In jedem Fall müssten Beschäftigte so etwas vorher mit ihrem Chef absprechen.

Ausloten können Arbeitnehmer, ob sie sich für den Zeitraum des Streiks unbezahlt freistellen lassen können. Auch Home-Office oder der Abbau von Überstunden sind möglich. Anspruch darauf haben Arbeitnehmer aber nicht. Es liege im Ermessen des Arbeitgebers, ob er dem zustimmt oder nicht, heißt es.