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Celle Stadt Klarer Richtungswechsel – aber kein Messias
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Klarer Richtungswechsel – aber kein Messias
19:21 03.02.2010
Norbert Sprenger, Sektionsleiter der GfW Celle, mit Professorin Christiane Lemke. Quelle: Peter Müller
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Lemkes Bilanz galt dabei vor allem der Außenpolitik des US-Präsidenten. Ihr Fazit: „Obama hat einen klaren Richtungswechsel vollzogen. Aber er ist kein Messias – er ist vielmehr ein pragmatischer Realist.“

Der Präsident trat mit seinem Amtsantritt am 20. Januar 2009 ein schweres Erbe der Bush-Administration an: Auf der einen Seite lauerte die Finanzkrise, auf der anderen warteten zwei Kriege auf ihn. Obama packte alle Probleme gleichzeitig an. „Der Rückzug aus Irak war ein wichtiger Schritt, und durch sein beherztes Eingreifen in der Finanz- und Wirtschaftskrise hat Barack Obama schlimmeres verhindert“, so Lemke. Obamas Außenpolitik charakterisiert Lemke als eine Politik der Diplomatie, die sich durch Multilateralismus und Gesprächsbereitschaft auszeichnet. Mit „Smart power“ lässt sich seine Art der Machtausübung bezeichnen. Obama baut auf Netzwerkbildung und Konsenspolitik – deren Grenze zumindest im Afghanistan-Konflikt längst erreicht scheint.

Im Celler Publikum kam in diesem Zusammenhang auch schnell die Frage nach den Erfolgen Obamas auf – was hat der neue Präsident im vergangenen Jahr erreicht? Der Mann, der den Friedensnobelpreis gewiss auch als eine Art Hoffnungspreis erhalten hat, in seiner Rede in Oslo aber öfter von Krieg als von Frieden sprach? Auch wenn Obama den Begriff „Kampf gegen den Terror“ vermeidet, sein Verhalten zeige, dass die Bekämpfung der Taliban und der Truppenaufbau in Afghanistan eines seiner obersten Ziele sei, so Lemke. Das im Wahlkampf proklamierte große Ziel des Demokratieaufbaus habe er längst fallen lassen.

Dennoch: Der klare Bruch mit der Bush-Politik, die Reaktion auf die jeweiligen Umweltbedingungen und eine stark nach außen gewandte Politik, das hat Obama bisher vorzuweisen. Und eines sei klar: „Selbst, wenn nicht alles zum Erfolg führt – Obama kann trotzdem wiedergewählt werden.“

Nächster Vortrag: Am 9. März referiert Brigadegeneral Reinhard Wolski um 19 Uhr im Gr. Saal OHG, Flugplatz Wietzenbruch über „Sicherheitspolitische Dimensionen der Heeresfliegertruppe“.

Von Birte March