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Celle Stadt Klaus-Hermann Anschütz zeigt virtuose Fähigkeiten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Klaus-Hermann Anschütz zeigt virtuose Fähigkeiten
08:05 26.05.2015
Mit Spielfreude und Schwung begeisterte Klaus-Hermann Anschütz an der Orgel die Celler Zuhörer in der Kirche St. Ludwig mit einem rein französischen Programm. Quelle: Alex Sorokin
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Welch ein schwungvolles Konzertende: Als Zugabe im inzwischen schon zu einer Celler Tradition gewordenen Pfingstorgelkonzert in der katholischen Kirche St. Ludwig spielte der dort wirkende Chefkirchenmusiker Klaus-Hermann Anschütz Jacques-Nicolas Lemmens‘ D-Dur-Fanfare, das Finale einer unbekannten Orgelsonate, mit einer solch Spielfreude, einem solchen Schwung, dass man geradezu mitgerissen werden musste von dieser schlichten, aber effektvollen und äußerst gekonnt gemachten Ohrwurmmusik.

Anschütz hatte ein ideales Tempo gewählt, in dem alles hörbar blieb und die Betonungen nie zu stark oder zu lastend wirkten. Und Anschütz hat spürbar seine eigene Lust an dieser Musik ausgespielt. Zum Wohle der Zuhörer, die wahrscheinlich die eingängige Melodik dieser fast schon an Jahrmarktsorgelmusik erinnernden Klänge noch lange im Ohr behalten werden. Die Musik dieses Urgroßvaters der romantischen französischen Orgelschule setzte einen wirkungsstarken Kontrast zu einem ansonsten stilistisch ganz anders gearteten Programm mit französischer Orgelmusik von 1861 bis 1956. Aber auch diese Stücke fanden in Anschütz einen hervorragenden Interpreten, auch wenn das Programm zeitweilig wegen der fünf entweder weniger inspirierten oder weniger inspiriert gespielten Stücke von Marcel Dupré ein wenig durchhing. Dafür gerieten die Werke der fünf anderen Komponisten dieses Programms umso überzeugender. Das gilt für die beiden eingangs gespielten Stücke von Alexandre Guilmant genauso wie für Jehan Alains „Le Jardin suspendu“.

Höhepunkte des Abends wurden aber neben der Zugabe sowohl das Mittelstück „Desseins Éternels“ der drei ausgewählten Messiaen-Meditationen aus „La Nativité du Seigneur“ als auch die „Incantation pour un Jour Saint“ von Jean Langlais. Wie Anschütz durch die geschickte Kombination von sauber und bewusst unsauber gestimmten Registern bei dem fast stehenden Messiaen-Stück einen geradezu schwebenden Klang von äußerst suggestiver Wirkung erzeugt hat, das alleine schon war den Konzertbesuch wert. Im Langlais-Stück zum Abschluss des offiziellen Programms demonstrierte er dann, was seine Orgel so alles kann, wenn man richtig damit umgeht und über entsprechend virtuose Fähigkeiten verfügt. Die außerordentlich zahlreich erschienenen Zuhörer können sich freuen: Anschütz wird dieses Programm am 5. Juli noch einmal an gleicher Stelle spielen. Wohl weil es so schön ist. Gute Idee! Unbedingt vormerken.

Von Reinald Hanke