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Celle Stadt Kleine Hofmusik entführt in die poetische Klangwelt der Laute
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kleine Hofmusik entführt in die poetische Klangwelt der Laute
19:40 19.06.2011
Lautenvirtuose Sigurd Schmidt bei seinem Konzert im Biedermeierhof des Bomann-Museums. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Vornehm ließ er im ersten Teil des Konzertes die Renaissance-Miniaturen von Komponisten wie Cutting, Le Roy, Caroso und Neusidler vorübertänzeln. Beseelt fächerte er vor den verzückt lauschenden Zuhörern die immens poetischen Klangwelten aus der Hochrenaissance auf. Dabei war er immer auf das Ebenmaß von Ruhe und Spannung bedacht. Nichts war überladen oder überformuliert. Mit bewundernswerter Plastizität und filigraner Spieltechnik sorgte er vielmehr für Spannungs- und Intensitätskontraste, mit denen er die Strenge und Würde, Kontemplation und Gelassenheit der Tänze und Lieder betonte. In den Pavanen, Galliardes und Gigues saß jeder Ton, jede Verzierung war am rechten Platz. So konnten sich in den Zwischenräumen die eigentlichen, musikerzählerischen Dimensionen gefühlvoll ausbreiten. Da staunte man einfach nur über die Souveränität, mit der dieser stilvertraute Interpret die Noblesse und Tiefe, die Form und Vitalität dieser klanglichen Kunstwerke geradezu feinsensorisch erspürte

Und das gleiche Gespür zeigte Schmidt im zweiten Teil auch für das, was die Chansons des Barock stets umkreiste: Bei der Interpretation einer 10-sätzigen Suite von Robert de Visée machte er in einem adäquaten Spektrum an Klangschattierungen, magischem Timbre und gravitätischer Noblesse die von Liebesleid und Liebesfreud befallene Menschenseele hörbar, die in den schönsten dunkelsten und höchsten Tönen Erlösung und Happy End herbeifleht. Mit viel Gefühl für zarteste dynamische Schattierungen entführte er das Publikum dabei in eine Lautenklangwelt, die zum Träumen anregte. Die Satz für Satz wechselnden Tänze wie Sarabande, Gavotte oder Chaconne vermittelten den Eindruck einer vor dem Fenster eines fahrenden Zuges vorbeigleitenden, wechselvollen Landschaft, wo – je nach Wahrnehmung – der Zug oder die Landschaft in Bewegung ist. Eine musikalische Reise schönster Empfindsamkeit in weichem und intimen Klang.

Von Rolf-Dieter Diehl