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Celle Stadt Kleine Katastrophen des Alltags
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kleine Katastrophen des Alltags
22:53 02.02.2014
Sylvia Brécko gastierte mit ihrem Programm „Liebling, wir müssen reden – reloaded“ in der Celler Kleinkunstbühne „Kunst & Bühne“. Quelle: Alex Sorokin
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Die Beziehungen zwischen Mann und Frau, ihre Krisen, kleinen Katastrophen und kommunikativen Störungen sind schon immer gern gesehene Themen für ebenso hintergründig humorige wie ernsthaft gedankentiefe Betrachtungen gewesen. So gesehen ist die bekannte Formulierung „Liebling, wir müssen reden!“ mit einem leichten Augenzwinkern eine Aufforderung von geradezu gesamtgesellschaftlicher Bedeutung.

Sylvia Brécko bleibt in ihrem Programm immer dicht am Thema, nimmt den perfekten Mann genauso aufs Korn wie alle seine Unzulänglichkeiten und fasst die verschiedenen Beziehungskrisen zwischen den Geschlechtern zu inhaltlichen Blöcken zusammen. Da gibt es die Unterhaltungskrise, die Wertekrise und nicht zuletzt die allgemeine Sprachkrise. Sie erklärt die Welt, wie sie sie sieht und stellt Zusammenhänge her, auf die man selbst wahrscheinlich gar nicht gekommen wäre.

Und dennoch hat man nicht immer das Gefühl, dass Sylvia Brécko mit dieser Thematik allein ihr rund zweistündiges Programm restlos füllen kann. Immer wieder unterbricht sie sich selbst und versucht, das Publikum in ihre Gedanken mit einzubeziehen, stellt Fragen, auf die sie nur unzureichende oder gar keine Antworten erhält, sammelt Stimmen zum Thema, zitiert einen Zuschauer zum Dialog auf die Bühne und verteilt Texte zum gemeinsam gesungenen Zarah-Leander-Hit „Davon geht die Welt nicht unter“. Das alles mag durchaus reizvoll sein, aber zu stringent entwickelten Pointen kommt es dadurch nur selten. „Wissen Sie, so ein Programm muss schon mal Längen haben. Dann freut man sich um so mehr, wenn zwischendurch mal wieder ein Gag kommt,“ sagt Brécko fast ein wenig selbstkritisch.

So hat Sylvia Brécko ihre stärksten Momente stets dann, wenn sie mit CD-Unterstützung singt. Ihre Stimme hat Volumen, trägt raumfüllend und klingt zwischen Schlager, Pop und Chanson äußerst angenehm. Gerne hätte man mehr davon gehört. Der Beifall am Schluss wäre vielleicht stärker ausgefallen.

Von Hartmut Jakubowsky