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Celle Stadt Kleine Zulaikha kann wieder lachen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kleine Zulaikha kann wieder lachen
13:57 24.04.2013
Von Michael Ende
Kann schon wieder mit dem Fahrrad fahren: Zulaikha - hier mit (von rechts) Chefarzt Dr. Ulf Culemann, Teamleiterin Anke von Ohlen, Erzieherin Birgit Fernau-Kämpe und Chefarzt Dr. Martin Kirschstein. Quelle: nicht zugewiesen
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Das Kartenspiel „UNO“ und „Mensch ärgere Dich nicht“ spielt die kleine Zulaikha mit AKH-Erzieherin Birgit Fernau-Kämpe besonders gerne. Das sechsjährige Mädchen mit den lustigen braunen Augen muss für sein Alter auch ganz besonders tapfer sein, denn es ist Tausende von Kilometern von seiner Familie im afghanischen Kabul entfernt. Zulaikha lebt in Celle einer völlig anderen Welt. In einer heilen Welt. Einer, in der ihr geholfen wird.

Seit Anfang Februar befindet sich das Mädchen im AKH zur Behandlung. Die Hilfsorganisation Friedensdorf International hatte die vorübergehende Aufnahme in Deutschland organisiert und die Geschäftsleitung des Krankenhauses eine kostenlose stationäre Behandlung ermöglicht. Die Sechsjährige kam mit einer Osteomyelitis, einer Knochenentzündung, im Bein nach Celle und wurde in der Kinderklinik von Kinderärzten, gemeinsam mit Unfallchirurgen der Klinik von Chefarzt Dr. Ulf Culemann erfolgreich behandelt. “Wir als Gesundheitseinrichtung sehen es als unseren sozialen und menschlichen Auftrag an, hier mit unseren möglichen Mitteln und vor allem schnell und unbürokratisch zu helfen“, so Stephan Judick, Vorstand des AKH Celle.

Das Mädchen ist für mehrere Monate alleine in Deutschland - das ist überhaupt nicht einfach, wenn man noch so klein ist. Doch Zulaikha lässt sich das Heimweh nicht anmerken. Auf die Frage, was sie am liebsten isst, antwortet sie prompt: „Reis!“ neben den AKH-Erzieheinnen kümmern sich auch ehrenamtliche Helfer von Friedensdorf International um die junge Patientin. Medizinisch macht sie Fortschritte. Die Operation in der Klinik für Unfallchirurgie war erfolgreich und Zulaikhas Genesung verläuft gut.

In der nächsten Woche soll sie wieder entlassen werden und kehrt nach einiger Zeit, die sie gemeinsam mit anderen Kindern aus Afghanistan, Zentralasien und Afrika in der Oberhausener Heimeinrichtung des Friedensdorfes verbringen wird, zu ihrer Familie ins vom Krieg zerrissene Afghanistan zurück. Gerne setzt sich Zulaikha in Celle aufs Fahrrad. Ob sie das so einfach auch in von radikalen Islamisten bedrohten Land am Hindukusch tun kann, ist fraglich: Die Taliban verbieten Frauen neben vielen anderen Dingen auch das Fahrradfahren.

Professor Dr. Martin Kirschstein, Chefarzt der Kinderklinik und ihr behandelnder Kinderarzt am AKH Celle: „Wir haben in den letzten Jahren bereits elf Kinder aus Krisengebieten hier in Celle behandelt, und oft ist es immer das gleiche Bild, was sich uns bietet: eine im Heimatland begonnene erfolglose Behandlung, die das Leben der Kinder jeden Tag dramatisch erschwert.“ Der Leidensdruck sei sehr hoch, doch man tue alles, um diesen Kindern medizinisch und menschlich zu helfen: „Schwierig ist dann immer wieder der Abschied, denn alle Beteiligten haben die Kinder oft sehr in ihr Herz geschlossen und umgekehrt. Doch zuhause wartet auf die Kinder das Wichtigste: ihre Familie.“

Michael Ende