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Celle Stadt Kleine und große Besucher nutzen den Internationalen Museumstag in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kleine und große Besucher nutzen den Internationalen Museumstag in Celle
20:06 17.05.2015
Finley (8 Jahre) und Leonie (9) Dettmer haben in Celle das Bomann Museum erkundet. Quelle: Alex Sorokin
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„Museen veralten, wenn sie bleiben, wie sie sind, während sich die Welt um sie herum verändert“, hieß es schon vor drei Jahren in einem Flyer des Bomann-Museums. Fast so, als hätte man damals schon das Motto des diesjährigen Internationalen Museumstages im Auge gehabt, der am Sonntag begangen wurde: „Museum. Gesellschaft. Zukunft.“ lautete es. Doch die Celler Museen – und das ist nicht kritisch, sondern ausdrücklich positiv gemeint – bedürfen offensichtlich keines solchen Anstoßes oder vorgegebenen Mottos, um Besucher anzulocken.

Im Gegenteil: Ihre museumspädagogischen Konzepte und deren Umsetzung veranschaulichen das ganze Jahr über die – wie der Deutsche Kulturrat das Motto interpretiert – „Rolle der Museen in der Gesellschaft und ihren Anteil an der Mitgestaltung der Zukunft“. Sie haben das Ohr nun mal sehr viel näher an ihren kleinen und großen Besuchern und stellen sich beispielhaft auf deren Wünsche und Erwartungshaltung ein. Und sie bieten damit ganzjährig ein Museumserlebnis, durch das vor allem die Kinder motiviert werden, wie ein Besucher aus dem Flotwedel sagte, der sich mit Frau und drei Kindern in den Celler Museen umschaute. Er finde dazu alles, was er brauche, einschließlich eines Ansprechpartners, stellte er begeistert und zufrieden fest.

Vor allem die Kinder kamen voll auf ihre Kosten. Ihre einzige Sorge war, „in der kurzen Zeit nicht alles sehen zu können“, nachdem sie die Museums-„Hemmschwelle“ einmal überwunden hatten. Doch unverzagt begaben sie sich auf individuelle Entdeckungsreise durch Heidebauernhaus und Lebensart des Biedermeier, durch mittelalterlichen Festsaal und barocke Staatsgemächer. Sie nutzten alle sich ihnen bietenden Möglichkeiten und hatten sichtlich viel Spaß dabei. Etwa bei dem höfischen Erlebnis im Residenzmuseum, sich den bereitliegenden Purpurmantel über die Schultern zu legen und mit Krone und Zepter den Thron zu besteigen. Oder sich im Bomann-Museum an der Hand ihrer Eltern oder Großeltern mit der „guten alten Zeit“ auf dem Lande, aber auch mit der damit verbundenen Plackerei der einstigen Landwirtschaft zu befassen.

Harald Schäfer wiederum, ein pensionierter Lehrer, der sich gerade in die Trüllersche Unternehmensphilosophie vertiefte, verteilte – auf das Motto angesprochen – dessen Umsetzung quasi weiter: „Es ist bedauerlich, dass die gesellschaftspolitische Bedeutung unserer Museen in den Schulen nicht mehr umfänglich zur Sprache kommt.“

Von Rolf-Dieter Diehl