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Celle Stadt Kleiner Schock für Celler Trachtenliebhaber
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kleiner Schock für Celler Trachtenliebhaber
15:59 11.03.2012
Von Gunther Meinrenken
Kleiner Kulturschock: Fantasietrachten im Bomann-Museum Quelle: Peter M¸ller
Celle Stadt

In Zusammenarbeit dem Museum für das Fürstentum Lüneburg, dem Museumsdorf Hösseringen und dem Bomann-Museum hat die Universität Oldenburg in den vergangenen drei Jahren die Trachtenlandschaften im Wendland und in der Lüneburger Heide erforscht. Mit dem für die südliche Heide ernüchternden Resultat: „Bomann hat die Trachten nach seinen Idealvorstellungen zusammengestellt. Diese entsprachen aber nicht den historischen Befunden“, konstatierte Museumsdirektor Jochen Meiners.

Bomann hatte selbst eine große Trachtenabteilung im Bomann-Museum aufgebaut. Inspiriert worden sei er dabei wohl vom Großen Trachtensaal im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Der Museumsgründer war ein eifriger Sammler. An die 1000 Trachtenteile hat er zusammengesammelt. Auch aus der Celler Region. Aus diesen habe er dann die Bauerntracht zusammengestellt. Eine Vorgehensweise, die, so Meiners, auch heute noch einige Museumsdirektoren pflegen würden.

„Die Bewohner der südlichen Lüneburger Heide hatten natürlich so etwas wie eine Festtagskleidung, hatten besondere Kappen und besondere Kleider. Aber nichts, was in den Bereich einer Tracht zu rechnen wäre“, meinte Meiners. Möglicherweise läge das daran, dass die Region sehr dünn besiedelt gewesen sei und wirtschaftlich nicht sehr stark war.

Die neuen Forschungserkenntnisse sind ein Stich ins Herz eines jeden, der vor Ort das Brauchtum pflegt. „Es wird wohl einige geben, die von dem Ergebnis der Untersuchung enttäuscht sind“, so Meiners. Immerhin werde das Bomann-Museum immer wieder von Vereinen angefragt, ob sie Belege für Trachten einer bestimmten Region haben könnten.

Meiners selbst will die Trachtenpuppen stehen lassen. Immerhin zeigten diese noch die idealtypischen Vorstellungen, die man sich von einem Bauern gemacht habe. „Auch negative Forschungsergebnisse sind Forschungserkenntnisse und für die weitere Arbeit des Museums von Bedeutung“, stellte Meiners fest.