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Celle Stadt Klezmer auf hohem Niveau in Celler Synagoge
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Klezmer auf hohem Niveau in Celler Synagoge
19:35 01.12.2013
Die Berliner Klezmerband „Aufwind“ überzeugte in der Celler Synagoge. Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Die kleine Celler Synagoge ist ein Veranstaltungsort ganz eigener Art: Noch immer ist sie in weiten Kreisen wenig bekannt, aber diejenigen, die sie kennen, die zieht es immer wieder dort hin. Hier trifft sich eine Klientel, die ansonsten kaum irgendwo im Celler Kulturleben zu finden ist.

Ganz offensichtlich treffen die Veranstalter mit ihrer Angebotsmischung aus fast allen Sparten, die irgendwie mit jüdischem Leben und jüdischer Kultur zu tun haben, den Geschmack und die Bedürfnisse des Celler Publikums sehr genau, denn zumeist sind die Veranstaltungsabende hier mindestens gut besucht. Eng ist es dann. Die künstlerischen Gäste müssen hier mit einem zwar stark erhöhten, aber räumlich sehr eingeschränkten Podium auskommen.

So war es auch dieses Mal, als man die bekannte Berliner Klezmerband „Aufwind“ nach Celle einlud. Die vierköpfige Truppe hat ein äußerst treffliches Gespür für die Volksmusik der osteuropäischen Juden, die nie eindeutig ist. Immer hängt selbst über der fröhlichsten Tanzmusik noch ein Schleier der Melancholie. Umgekehrt aber, und das ist viel wichtiger, gibt es keine Klezmermusik, die nur traurig oder depressiv wäre. Immer findet sich selbst in der melancholischsten Musik eine Spur Optimismus und Lebensfreude.

Beim Klezmer gibt es kein Seufzen ohne Juchzen. Und auch kein Jubeln oder Feiern ohne innere Einkehr. Und selbst im mitreißendsten Rhythmus wird noch eine tragische Seite en passant zum Klingen gebracht. Das können keineswegs alle Klezmer-Formationen, „Aufwind“ beherrscht das perfekt. Deshalb muss man sicher noch lange nicht alles gut finden, was „Aufwind“ darbietet, aber Niveau hat hier jede Nummer, auch wenn das aufdringliche Juchzen und Seufzen des Klarinettisten schon stören kann, insbesondere dann, wenn es so laut geschieht, dass es einem schon schmerzt in den Ohren. Trotzdem: Ein gelungener Abend.

Von Reinald Hanke