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Celle Stadt Klezmer aus Kiel mit „Di Chuzpenics“ im Celler Gajah
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Klezmer aus Kiel mit „Di Chuzpenics“ im Celler Gajah
16:23 07.11.2010
Ein Bühnenoutfit, so dunkel wie ihr Spiel: „Di Chuzpenics“ aus Kiel warten mit schwungvollen „Liedln“ und starken Charakteren im Celler Gajah. Quelle: Peter Müller
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Die besondere Ausstrahlung der „Chuzpenics“ dürfte nicht nur auf ihrem Spiel beruhen - das ist musikantisch und genauso temperamentvoll einerseits wie dunkel tiefgründig andererseits, aber nicht sonderlich brillant – sondern noch stärker auf ihren ausgeprägten Persönlichkeiten. Ob Kay Krügel, der Koloss am Kontrabass oder die charmante Christine von Bülow an der Oboe oder auch die so angenehm unangepasst aussehende, mit Riesentattoo und Kahlkopf auftretende Geigerin Jule Schwarz, zumindest diese drei sind so ausgeprägte Charaktere, dass das Erleben dieser Truppe alleine schon deshalb einen besonderen Reiz hat. Dazu kommen mit Martin Quetsche am Akkordeon, und Sänger Martin W. Luth noch zwei Musiker, die zwar eher dezent agieren, aber deshalb keineswegs in ihrer Bedeutung für diese Band vernachlässigt werden dürfen.

Das vielleicht wichtigste Merkmal der jiddischen Musik ist, dass sie bei aller Traurigkeit und Melancholie, die ihr textlich oft zu eigen ist, fast immer auch noch einen Funken Hoffnung und Zuversicht in sich trägt. Es mag die Realität noch so betrüblich scheinen, der jüdische Musiker findet immer einen Anlass zu einem feinen „Liedl“ mit musikalisch ermunterndem Ende oder zu einem schwungvollen, alle Sorgen vertreibenden Tanz. Bei den „Chuzpenics“ kommt das bestens herüber.

Das „Chuzpenics“-Repertoire erwies sich einmal mehr als überaus vielfältig, vom hervorragend bearbeiteten, unter die Haut gehenden Klagelied „Ss’ brennt! Briderlech, ss’brennt!“ bis hin zu lebensbejahenden Tänzen mit Anklängen an Walzer, Polka oder Tango. Der abwechslungsreiche, atmosphärisch dichte und sehr stimmige Abend wurde, auch das sei noch erwähnt, von Christine von Bülow gekonnt und unterhaltsam moderiert.

Von Reinald Hanke