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Celle Stadt Klosterkammer lenkt ein im Streit um Celler Künstler Erich Klahn
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Klosterkammer lenkt ein im Streit um Celler Künstler Erich Klahn
21:30 02.07.2014
Von Andreas Babel
Erich Klahn bei der Arbeit Quelle: cz
Celle Stadt

„Wir sind mit dem Vergleich zufrieden, er dient der Prozess-Ökonomie. Das bedeutet: Im nächsten Schritt werden die strittigen Rechtsfragen geklärt “, sagt Andreas Hesse, Kammerdirektor der Klosterkammer.Der Anwalt der Klahn-Stiftung, Professor Peter Raue, zeigte sich zufrieden mit dem Vergleich: „Wir haben alles erreicht, was wir erreichen wollten.“

Der mündlichen Verhandlung am heutigen Mittwoch war vorausgegangen, dass der Allgemeine Hannoversche Klosterfonds (AHK), Stiftung öffentlichen Rechts unter Aufsicht des Landes Niedersachsen und gesetzlich vertreten durch die Klosterkammer Hannover, am 9. Mai seine Trägerschaft für die Klahn-Stiftung aufgekündigt hatte. Mit dieser Kündigung hatte die Klosterkammer auf das ihr zugestiftete Vermögen verzichtet, die Ausstellung geschlossen und darauf bestanden, Klahns Kunstwerke aus dem Kloster Mariensee entfernen zu lassen.

Dagegen hatten die Kläger über ihren Anwalt Peter Raue beim Landgericht Hannover den Erlass einer Einstweiligen Verfügung beantragt. Der gestern Nachmittag geschlossene Vergleich besagt:

„Die Klosterkammer sichert zu, dass der Bestand, der zur Klahn-Stiftung gehörte, im Kloster Mariensee verbleibt, bis eine rechtskräftige Entscheidung oder eine einvernehmliche Lösung gefunden wurde. Die Klosterkammer sichert zu, dass der Familie Klahn nach angemessener Vorankündigung Zutritt zu den Ausstellungs- und Depoträumen im Kloster gewährt wird. Das gilt auch für Wissenschaftler, die das Werk des Künstlers erforschen. Die Klosterkammer erklärt sich bereit, im Jahr 2015 letztmalig eine Ausstellung der Werke Erich Klahns der Öffentlichkeit zu zeigen“, heißt es in einer Presseerklärung der Klosterkammer.

Trotz der jüngst erhobenen Vorwürfe gegen Klahn will die hannoversche Landeskirche an dessen Kunstwerken festhalten. „Die Nähe des Künstlers zu völkischem Gedankengut ist sicher scharf zu verurteilen“, sagte der evangelische Landesbischof Ralf Meister. „Ob dadurch allerdings die künstlerische Qualität hinfällig geworden ist, wage ich zu bezweifeln.“ Klahn gestaltete Altäre und andere Kunstwerke für Kirchen in Norddeutschland. Laut Meister zeigen die Werke von Klahn ungeachtet des Gutachtens keinerlei „faschismusaffine“ Kunst. „Weder in der Darstellung der Menschen noch in ihrer geistlichen Prägekraft“, sagte der Bischof. Im Gegenteil: Klahn stelle Menschen auch als Leidende dar. Es gebe darum keinen Grund, seine Werke aus niedersächsischen Kirchen zu entfernen.

Unterdessen hat der Doktorvater der Klahn-Stipendiantin Johanna Hummel, Professor Dr. Dieter Blume, Klosterkammer-Präsident Hans-Christian Biallas gebeten, das Stipendium nicht wie angekündigt vorzeitig zu beenden, sondern im Gegenteil jetzt um ein drittes Jahr zu verlängern. „Erich Klahn war niemals Nationalsozialist, wie längst nachgewiesen wurde“, meint der Jenaer Hochschullehrer. Eine Auseinandersetzung mit dem Künstler in seiner Zeit sei laut Blume angebracht.