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Celle Stadt Kochstudio im Schlosstheater Celle: Im Namen des Buches
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kochstudio im Schlosstheater Celle: Im Namen des Buches
16:28 19.09.2016
Zwischen Buchstabensuppe und Zucchiniwaffeln gewährten die„Bücher-Spezialisten“ im Kochstudio des Schlosstheaters einen Einblick in ihren Beruf und die persönliche Faszination an Literatur. Quelle: Oliver Knoblich
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Zwischen Buchstabensuppe und Zucchiniwaffeln entfaltete sich ein interessanter Abend. Denn die „Bücher-Spezialisten“ gewährten ihrem Publikum nicht nur einen Einblick auf Allgemeines aus ihrem beruflichen Bereich und Erfahrungsschatz, sondern gaben auch viel Individuelles in die Runde – von der eigenen Faszination am Buch, bis hin zu persönlichen Hitlisten. Ein immer wieder aufgegriffener Exkurs zu digitalen Medien – die längst den Lese- und Buchbereich erobert haben – scheint selbstverständlich und unumgänglich.

„Ich möchte die Freude, die man an einem Text, einem Buch haben kann, transportieren“, so Petra Moderow. Sie sei nicht Bibliothekarin aus vorbestimmender Leidenschaft geworden, „ich bin einfach dort gelandet“. Aber Schritt für Schritt hat sie Ambitionen entwickelt. „Es wird immer wichtiger, dass Menschen schon vom jüngsten Alter an zum Lesen hingeführt werden. Daran zu arbeiten, passende Konzepte zu entwickeln, ist ein wesentlicher Aufgabenbereich von Bibliotheken – gerade im Hinblick auf den kontinuierlich geringer werdenden Wortschatz von Kindern und Schülern, wie Studien belegen.“

Dazwischen gab es ausgesuchte Lesungen bekannter Autoren, wie Joachim Ringelnatz, Stefan Zweig und Marc-Uwe Kling – einnehmend dargebracht von Ensemblemitgliedern Irene Benedict, Josephine Raschke und Ralph Blase, die sonst auch das Rühren in den Töpfen und das Waffelbacken übernahmen. Regisseurin Petra Jenni entlockte den Gästen auch persönliche Statements zum Thema Buch.

Moderow sagte: „Für mich sind Bücher Begegnungen mit jemandem oder etwas. Ich lasse mich gerne einladen, lege es auch weg, wenn es mir nichts sagt, habe es gerne, wenn sich Charaktere entwickeln, sich mir aus dem Erzählten erschließen und nicht aufgezwängt werden.“ Sie lese abends im Bett. Im Auto genieße sie Hörbücher.

Eine eindeutige Berührungsstelle mit Justus Steinbömer: „Manch komplizierter Text hat sich mir durch eine gute Lesung erst richtig erschlossen – ich denke da etwa an Manns Buddenbrooks“. Der Antiquar fühlt sich mit Celle verwurzelt und führt seit 1997 sein Geschäft gleich neben dem Alten Rathaus. „Ich habe mein Hobby – Geschichte und Kaufmännisches – zum Beruf gemacht. Ein Buch ist ein nicht zu korrigierendes Zeugnis der Zeit, in der es geschrieben wurde“. Diese Spiegelung von Gesellschaft, Zeitströmungen, vertretener Ansichten und Regeln seien für ihn immer wieder faszinierend. „Es gibt eine Aura, die von einem alten Buch ausgeht“, ein schönes Gesamtobjekt aus Text und Darbietung. Ein besonderes Faible habe er deshalb für Autographe – Schriftstücke von Menschen, die nicht zur Vervielfältigung und Veröffentlichung gedacht waren. Die Zuhörer interessierte, dass er seinen Bestand weniger aus privaten Ankäufen, als viel mehr über 20 Auktionen im Jahr rekrutiert.

Von Doris Hennies