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Celle Stadt Kommentar zu Geißlers Schlichterspruch in Stuttgart
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kommentar zu Geißlers Schlichterspruch in Stuttgart
22:54 30.11.2010
Von Klaus Frieling
Celle Stadt

Auch wenn eine Schlichtung im tarifrechtlichen Sinne gar nicht möglich war: Heiner Geißlers Einsatz als „Schlichter“ im Streit um das Bahnprojekt „Stuttgart 21“ hat sich gelohnt. Endlich wurden Zahlen und Fakten auf den Tisch gelegt, konnten sich die Bürger der Schwaben-Metropole eine sachkundige Meinung bilden. Weit über Baden-Württemberg hinaus dürfte das Geschehen Auswirkungen haben auf die Art und Weise, in der Wirtschaft, Staat und Bevölkerung miteinander umgehen.

Mit Humor, Beharrlichkeit und klaren Ansagen bei der Diskussionsleitung hat Querdenker Geißler sich einmal mehr um die Demokratie verdient gemacht. Die Zeit der Basta-Politik sei vorbei, wirbt der ehemalige CDU-Generalsekretär und heutige Attac-Globalisierungskritiker dafür, verlorene gesellschaftliche Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Längst werden auch Parlamentsbeschlüsse von den Bürgern hinterfragt, die ihren Volksvertretern zunehmend misstrauisch auf die Finger schauen – vor allem, wenn es Jahre dauert, bis einmal beschlossene Projekte dann auch umgesetzt werden.

Am Ende der acht Schlichtungsrunden zu „Stuttgart 21“ steht kein Ergebnis, das alle Seiten zufrieden stellt. Das war angesichts der verhärteten Fronten auch nicht zu erwarten. Doch als Anwalt der Bürger hat Geißler dazu beigetragen, die feindliche Stimmung zwischen Befürworten und Gegnern des Bahn-Prestigeprojektes zu entkrampfen. Unter seiner Leitung wurde geredet und zugehört, wurden Argumente „auf Augenhöhe“ ausgetauscht. Ein Stückchen Basisdemokratie gegen die Ignoranz althergebrachten Machtbewusstseins. Das könnte, das sollte zu einem Wandel des Stilbewusstseins im politischen Geschäft führen.