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Celle Stadt Kommentar zu Googles "Street View"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kommentar zu Googles "Street View"
22:39 10.08.2010
Von Klaus Frieling
Celle Stadt

Der technische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Das zeigt sich einmal mehr bei Googles Internet-Straßenpanoramen. Wie bereits „Google Earth“ und „Google Maps“ ist auch Googles „Street View“ der Erfolg gewiss, wenn der Dienst demnächst auch hierzulande angeboten wird. Mögen sich Datenschützer und andere Bedenkenträger auch davor gruseln, Exhibitionismus und Voyeurismus sind längst ein Massenphänomen im Netz. Wer da nicht mitmacht, gar vor Gefahren allzu offenherziger Daten-Weitergabe warnt, gilt schnell als antiquierte Spaßbremse.

Die Menschen sind neugierig. Mit „Street View“ können sie entfernte Orte kennenlernen. Sie werden die Welt durchstreifen – und bleiben doch nur vor ihrem Bildschirm hocken. Die richtige Antwort auf die gestern vorgestellte Studie über unsere ungesunde Lebensweise (siehe rechts) ist das zwar nicht, doch grundsätzlich ist Googles neues Angebot eine reiche Informationsquelle. Etwa, um sich über die Lage des zu buchenden Urlaubshotels zu informieren.

Doch derartige Materialfülle verlockt zum Missbrauch. Wie eine Krake greifen Internetkonzerne nach allem, was sich kommerziell verwerten lässt – bei „Street View“ sammelte Google eben nicht nur Fassaden-Ansichten, sondern auch Daten über private Computer-Funknetze. Ein wachsames Auge auf kommende Geschäftsideen tut da weiter Not.

Immerhin, wer das eigene Haus nicht in „Street View“ sehen möchte (etwa, weil er Einbrechern ihr Tun nicht erleichtern will), kann nach Intervention von Politik und Datenschützern hierzulande Einspruch erheben und sein Anwesen digital vernebeln lassen. Allerdings wird er nicht um Einwilligung gefragt – eine Umkehr bisheriger Gepflogenheiten. Wer in der schönen neuen Medienwelt einen Daten-„Striptease“ vollführt, macht das bei „Facebook“ und anderswo eben aus freien Stücken selbst – noch.