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Celle Stadt Kommentar zu Wikileaks-Enthüllungen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kommentar zu Wikileaks-Enthüllungen
22:50 28.11.2010
Von Klaus Frieling
Celle Stadt

Viel Porzellan sei zerschlagen worden, bilanziert zerknirscht der US-Botschafter in Deutschland nach Veröffentlichung interner US-Beurteilungen über deutsche Politiker durch die Internetplattform Wikileaks. Doch wenn diplomatische Depeschen gleich hunderttausendfach an die Öffentlichkeit gelangen, hat das nicht nur Auswirkungen auf die zwischenmenschliche Atmosphäre im transkontinentalen Miteinander: Speziell wenn es um Krisenherde wie Nahost/Iran geht oder um den langen Schatten, den der Terror vom 11. September 2001 noch immer auf die aktuelle Politik wirft, wird aus der vorgeblichen Heldentat im Dienste der Informationsfreiheit ein unverantwortliches Spiel mit dem Feuer.

Nicht nur, dass die Offenlegung der vertraulichen und teils als geheim eingestuften Berichte amerikanischer Botschaften „das Leben zahlloser Personen“ gefährdet (wie es in einem Schreiben heißt, mit dem das US-Außenministerium Wikileaks-Gründer Julian Assange von einer Veröffentlichung abhalten wollte). Der massenhafte Bruch von Vertraulichkeit sät zugleich weiteres Misstrauen in der Welt – ein Daten-Dammbruch, der niemandem nutzt sondern die Diplomatie vor ihre größte Herausforderung stellt. Wenn auch hinter verschlossenen Türen nicht mehr „Tacheless“ geredet werden kann, läuft sie Gefahr, zum bloßen Austausch von Plattitüden zu verkümmern.

Die Enthüllungen schwächen die eh schon angeschlagene Supermacht USA. Schaudern lässt indes vor allem der Umstand, dass der Regierungsapparat des noch immer stärksten Landes dieser Erde offensichtlich riesige Lecks hat, über die der Daten-Voyeurismus bedient wird. Wie schlampig sind die Sicherheitsvorkehrungen der Atommacht? Auch auf diese Frage gibt Wikileaks eine ungute Antwort.