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Celle Stadt „Komödie der Bosheit“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Komödie der Bosheit“
15:29 21.11.2018
In einer Inszenierung von Lydia Bunk spielen die Schauspieler: (von links) Jürgen Kaczmarek, Tanja Kübler, Pascal Andrea Vogler, Thomas Wenzel, Gintas Jocius und Marie Sophie Schmidt Quelle: Fabian Engelke
Celle

Ödön von Horvath ist in Theaterkreisen ein hoch geachteter Autor, dessen zumeist ebenso zeitlose wie gesellschaftskritische Stücke als Klassiker der Moderne gelten. Er selbst sah sich zeitlebens als ein Autor, der immer nur gegen zweierlei angeschrieben hat, „das ist die Dummheit und das ist die Lüge“. Kein Wunder daher, dass man Horvaths Sprache oft als eine Sprache der Doppeldeutigkeit bezeichnet oder als eine Sprache, die das Bewusstsein demaskiert. Sie ist dabei einerseits immer konkret auf die handelnden Figuren bezogen, andererseits aber auch durchdrungen von einer abgehobenen Tiefgründigkeit, die teilweise das Philosophische streift und menschliche Erkenntnisse oft in kürzeste Sentenzen zusammenfasst. „Nichts gibt so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit“, hat Horvath als Motto seines bekanntesten Stückes „Geschichten aus dem Wienerwald“ formuliert. „Ich denke ja gar nichts, ich sage es ja nur“, so lautet nicht nur ein weiteres Horvath-Zitat, sondern auch der Titel einer Ausstellung, die gerade im Theatermuseum Wien zu sehen ist. Und: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“ Das ist ein zentraler Satz in „Zur schönen Aussicht“, einem Stück, das die Regisseurin der Celler Produktion im Schlosstheater, Lydia Bunk, als eine „Komödie der Bosheit“ sieht.

Ödön von Horvath von Ast erschlagen

„Zur schönen Aussicht“ ist das erste bekanntere Werk Horvaths, dessen Leben so theatralisch zu Ende ging, wie er es selbst nicht besser hätte erfinden können: Er wurde nämlich von einem herabfallenden Ast mitten in Paris erschlagen. Und danach organisierte die Bestattung ein betrügerischer Unternehmer, der die Bestattung von Horvath aber ausgesprochen großzügig abwickelte.

Es läuft einem kalt den Rücken herunter

Das 1926 geschriebene, aber erst mehr als 40 Jahre später uraufgeführte Stück „Zur schönen Aussicht“ ist noch vor dem kaum gespielten, radikalen Stück „Die Bergbahn“ der Ausgangspunkt für eine Reihe von Stücken, in denen Horvath so präzise mit den Deformationen der kapitalistischen Gesellschaft zwischen den Weltkriegen spielt, dass es einem bei vielen Szenen seiner Stücke kalt den Rücken herunterläuft. Und man sofort die zeitlose Aktualität erkennt.

Doppeldeutigkeit der Sprache

Regisseurin Bunk ist sich, so erweist es sich im Gespräch, der durchgeformten Sprache bei Horvath sehr bewusst. „Es geht bei Horvath weniger um das konkret Gesagte als um die Unterschicht, das, was noch darunter liegt, aber gar nicht ausgesprochen wird.“ Und sie meint damit vor allem das Unterbewusstsein. Offensichtlich ist Bunk die Doppeldeutigkeit von Horvaths Sprache sehr präsent. Und generell ist für die Regisseurin der Umgang mit der Frage des Bewusstmachens und Wiedervergessens eine wichtige Sache bei ihrem Inszenieren. „Es ist für mich immer ganz wichtig beim Inszenieren, den Schauspielern erst viele Aspekte einer Vorlage bewusst zu machen, damit sie diese dann im Moment des Spiels wieder vergessen können. Das ist ein schwieriger Prozess, aber so klingt dann für den Zuschauer das Unbewusste im Idealfall immer mit. Und wenn mir das hier gelingen würde, dann wäre ich sehr zufrieden.“

30-minütige Einführung

Premiere dieser bitterbösen Komödie, in der sogar die Stille manchmal doppeldeutig erscheint, ist am 30. November. Zu sämtlichen Aufführungen wird es eine halbe Stunde vor Beginn eine Einführung geben.

Von Reinald Hanke

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