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Celle Stadt Konzeptkünstler Andy Kassier arbeitet mit großer Dosis Sarkasmus und Ironie
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Konzeptkünstler Andy Kassier arbeitet mit großer Dosis Sarkasmus und Ironie
10:28 02.12.2016
Die Installation von Andy Kassier (kleines Foto) ist gleich im Eingangsbereich des Celler Kunstmuseums zu sehen. Quelle: Andy Kassier
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Die Anfang des 20. Jahrhunderts entfachende Debatte um das neue Werbemedium der Leuchtreklame erscheint aus heutiger Sicht mehr als absurd. Eine Vielzahl von staatlichen Behörden erhob strickte Verbote gegen leuchtende Werbeträger. Die „infernalistischen Lichtattentate“ würden Pferde verwirren und für „Nervenzerrüttungen“ beim Großstadtbürger sorgen, hieß es in den Anfängen der Moderne. Die Leuchtreklame hatte somit einen weiten und von bürokratischen Hindernissen gesäumten Weg zu meistern bis sie zum wichtigsten Kommunikationsmittel für zeitgenössische Groß- und Kleinunternehmer wurde. Mit dem Resultat, dass heute die nächtliche Gestalt des Erdballs wohl nicht diesselbe wäre ohne das schimmernde Licht der Litfaßsäulen, Neonröhren, LEDs und Leuchtkästen.

Aus dem Blickwinkel der Lichtwerbung nähert sich der Künstler Andy Kassier seinem Beitrag zur jüngst eröffneten Ausstellung „[p:lux] licht teilen“ im Kunstmuseum Celle. Der sich seit Jahren in seinem Werkkörper mit Selbstvermarktung, Selbstdarstellung und Selbstoptimierung beschäftigende Künstler knüpft sich den ihm wohl am besten bekannten Bereich des Kunstmarktes vor: den Museumsshop. „In einem Zeitalter in dem das Selbst zum Unternehmen wird und Erfolg auf dem Markt immer mehr einem Selbstdarstellungszwang gleicht, verschwimmen die Grenzen zwischen der eigenen Person und dem erzeugten Produkt. Das Verständnis vom Individuum als isolierte Entität schwindet, und somit auch die Anmaßung des Künstlers sich als eine vom Markt autark existierende Einheit zu positionieren,“ so der Konzeptkünstler. Mit einer großen Dosis an Sarkasmus und Ironie gestaltet Kassier den Museumsshop des Kunstmuseums zu einer Oase der schamlosen Selbstvermarktung: Postkarten, Plakate und Sticker mit Eigenportraits in hochwertiger Werbeästhetik und auch „edlere Produkte“ wie Siegelring und Marmorbuch säumen die Vitrinen des Museumshops.

Die Herangehensweise des weltweit tätigen Künstlers ist nicht nur höchst sympathisch in seiner Ehrlichkeit, sondern setzt auch eine künstlerische Tradition fort: Proklamierte Andy Warhol mit seinen „Brillo-Boxen“ einst die Alltagswelt der Produkte als seine Kunst, so betrachtet nun Kassier seine Kunst unter dem Vorzeichen des Produktes. Der eigene Marktwert wird zur treibenden Kraft des Schöpfungsprozesses, eine Entwicklung die Widerhall in jeder Facette des Kassier’schen Gesamtwerks findet. Die erwerbbaren Artikel sind limitiert und warten in den Vitrinen des Kunstmuseum Celle auf neugierige Käufer.

Andy Kassier (Jahrgang 1989) lebt und arbeitet weltweit. Seit 2012 studiert er an der Kunsthochschule für Medien Köln bei Mischa Kuball und Johannes Wohnseifer.

Von Fremdfotos / Texte Eingesandt