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Celle Stadt Konzert-Hopping in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Konzert-Hopping in Celle
22:13 15.03.2015
Das „Streicherensemble Celle“ und der Junge Chor Celle (kleines Foto) brachten Musik und Gesang in den Beckmannsaal. Quelle: Alex Sorokin (2)
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Das gleichermaßen neugierige wie erwartungsvolle Publikum nahm die Einladung zum „Konzert-Hopping“ gerne an. Aber auch die Aktiven nutzten die Zeit vor und nach ihrem eigenen Auftritt, um – wie Thomas Bogon vom Jungen Chor Celle sagte – über den sprichwörtlichen „Tellerrand“ zu schauen. Sowohl Mitwirkende als auch Besucher zeigten sich dabei immer wieder begeistert von den zwischen Gamelanorchester und Handglockenchor herausgefilterten „anderen“ Dimensionen von Musik, die nichts mit stilgebundenem Schubladenhören zu tun haben.

Die Bereitschaft, Hörgewohnheiten zu lockern, Neues zu suchen und erleben zu wollen, hat sich für jeden Teilnehmer – ob auf den insgesamt elf Bühnen oder im jeweiligen Publikum – gelohnt. So fühlten sich auch die Celler Repräsentanten sichtlich und spürbar in ihrem Element:

„Die ersten Töne haben Auswirkungen auf den ganzen Abend“, impfte Egon Ziesmann seinen „Young Voices“ vom Hölty-Gymnasium bei der letzten Probe vor dem großen Auftritt in der St.-Ludwig-Kirche noch einmal ein und meinte damit den Sog der Begeisterung, in den man das Publikum hineinziehen müsse.

Und die jungen Choristen ließen seinen Worten mit einer gelungenen Mischung aus geistlichen Gesängen und Popmusik bestens gestimmte Taten folgen: Jeder Ton war zwischen Besinnlichkeit und Ausgelassenheit changierende pure Freude.

Das galt auch für den im voll besetzten Beckmannsaal auftretenden Jungen Chor Celle mit seinem mitreißend arrangierten A-cappella-Programm. Das Ensemble bestach durch seine enorme Präzision, mit der es selbst schwierigste ineinander geschachtelte chromatische Passagen meisterte, die sich schließlich auf faszinierende Weise in breiten Akkorden sanft aufzulösen schienen.

Küstenluft wehte durch den altehrwürdigen Plenarsaal des Oberlandesgerichts, wo der Shanty-Chor Celle von „Mary-Ann“ bis „Molly Malone“, vom „Drunken Sailor“ bis zum „Hamburger Veermaster“ mit kräftigen, urwüchsigen Shanties und klassischen Seemannsliedern für Mitsing-Stimmung sorgte. „Es ist eine tolle Sache, als einziger Shanty-Chor hier teilnehmen zu dürfen“, schwärmte Sänger Jürgen Born. Genauso begeistert zeigte sich auch Dorothee Knauer, die mit dem Streicherensemble Celle – im Wechsel mit literarischen Passagen – Telemanns burleske „Don Quixotte Suite“ vortrug: „Es ist Freude und Ehre zugleich, als Teil einer so gigantischen Veranstaltung unsere Stadt vertreten zu dürfen.“

Vergnügt verfolgten die Zuhörer die mit drastischem Elan und geistvoller Finesse vorgetragenen possierlichen musikalischen Gesten wie Rosinantes Hufgeklapper oder die schmachtenden Liebesseufzer der Prinzessin Dulcinea oder Don Quixottes rasanten Angriff auf die Windmühlen.

„Es ist überwältigend, was Celle hier an einem einzigen Abend geboten hat“, zog ein Lehrer-Ehepaar aus dem Heidekreis sein Fazit. Ein Satz, den man so oder ähnlich an diesem Abend immer wieder und überall zu hören bekam.

Von Rolf-Dieter Diehl