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Celle Stadt Konzert der leisen Töne am HBG
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Konzert der leisen Töne am HBG
13:35 02.06.2017
Begleitet von Hedwig Popp (links) traten auch zwei Chöre der Klassen 6 bis 11 unter der Leitung von Ekkehard Popp (Zweiter von links) auf. Quelle: Oliver Knoblich
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Unter der Leitung von Hedwig und Ekkehard Popp standen vornehmlich stimmungsvoll verträumte Melodien auf dem 24-teiligen Programm, bei dem neben drei Chören, deren mal im zarten, aber niemals substanzlosen Piano, mal beseelt und ausdrucksbetont vorgetragenen Lieder die laute Welt für eine Weile vergessen ließen, auch insgesamt 15 Instrumentalisten „zu Wort“ kamen.

Zu Beginn fehlte es den Singstimmen noch an Spannkraft, Volumen und Tragfähigkeit. Doch nach und nach kamen die jungen Choristen in Schwung und befreiten bei Songs wie „Lady of Riga” und „I Have a Dream” ihre Stimmen mit ausgewogener Dynamik und überlegter Artikulation von den unsichtbaren Fesseln und servierten den angeregt lauschenden Zuhörern in einer Aura meditativer Entspannung zeitlos schöne Chormusik zum Träumen.

Mal in sich versunken, mal voller Schwung, mal zart singend und flutend zeigten wiederum die Instrumentalisten ihr individuelles Können und Gestaltungsvermögen an Ukulele, Gitarre, Posaune und Klavier. Die einen gelassen, die anderen konzentriert, aber durchweg erfreulich selbstbewusst traten die jungen Interpreten an und überspielten souverän die wenigen kleinen Patzer. Es war schön zu beobachten, wie die Hände mal angestrengt koordiniert, mal locker und gelöst über die Ventile, Tasten und Saiten tanzten, wie die Kinder und Jugendlichen die Musik erfühlten und der entstehenden Melodie lauschten und mit zunehmendem Anspruch auch die Freiheit zu nutzen suchten, der Musik quasi freien Lauf zu lassen.

Überhaupt: Das war keine Musik, bei der die Füße zu wippen und die Ohren zu vibrieren beginnen, sondern Musik für die Sinne, bei der die Gefühle in Wohlklang baden können. Nicht zuletzt auch durch die vielen kleinen und individuellen Spannungsbrückchen.

Bei reizvollen Abstechern in den unerschöpflichen Reichtum der Klavierliteratur etwa standen diverse Tänze wie Arabesque, Nostalgia und Tarantella ebenso auf dem musikalischen Ausflugsprogramm wie die populäre „Midnight Lady“ und Chopins a-Moll-Walzer. Und je ausgereifter sich die jungen Interpreten zeigten, desto deutlicher wurden auch ihre gestalterischen Vorlieben und Charaktere: Hier Pathos und mondäne Koketterie, dort Verträumtheit und sentimentales Verfließen. Dezent und auf leisen Sohlen bewegten sich auch die Gitarrenklänge und entfalteten zwischen Fingerstyle und Glissando gefühlvoll und filigran – weit weg von verfälschenden Verstärkern – in einem kleinen Fest der stillen Vielfalt gezupfter Klänge zwischen „Greensleeves“ und „Samba Night“ den ganzen Zauber handgemachter Gitarrenmusik.

Von Rolf-Dieter Diehl