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Celle Stadt Konzert mit vielen gelungenen Momenten in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Konzert mit vielen gelungenen Momenten in Celle
21:42 10.12.2017
Stiller Lenker: Dirigent Ivan Lopez Reynoso mit dem Braunschweiger Staatsorchester. Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Celle. Ivan Lopez Reynoso, der gerade neu ins Amt gekommene junge erste Kapellmeister des Braunschweiger Staatsorchesters, erstmals zu Gast in Celle: Der Abend verlief ein wenig irritierend, denn Lopez Reynoso wirkt so gar nicht wie einer der vielen jungen Dirigenten am Anfang ihrer Karriere. Die agieren zumeist sehr gestik-, mimik- und körperbetont und tragen somit ihren Ausdruckswillen nicht nur über die Musik an die Zuschauer heran, sondern auch über ihre Optik. Nichts davon bei diesem Mann. Er steht vor seinem Orchester wie ein abgebrühter älterer Kapellmeister, der seinen Job souverän beherrscht und den nichts aus der Ruhe bringen kann.

Lopez Reynoso wirkt technisch ungemein sicher. Unaufgeregt führt er seine Musiker durch die Partitur und wirkt dabei wie ein stiller Lenker, der den Musikern ein hohes Maß an Sicherheit vermittelt. Nur so ist es nämlich zu erklären, dass die Bläser des Braunschweiger Orchesters mit einer selten von ihnen zu hörenden Sicherheit und Tonschönheit spielen. Da staunte man nicht schlecht.

Mit großem Selbstbewusstsein agieren die Bläser selbst in den vielen schwierigen und empfindlichen Passagen der beiden Stücke des Abends: das Cellokonzert von Antonín Dvorák und die dritte Sinfonie von Robert Schumann. Das Hornsolo am Beginn des Cellokonzerts klappte nicht nur perfekt, es hatte auch die perfekte Mischung aus Ausdrucksintensität und Schlichtheit. Auch dass der Dirigent gleich beim ersten Dirigat in den akustisch schwierigen Verhältnissen der Congress Union mit diesen Gegebenheiten gut umzugehen in der Lage war, das war erstaunlich.

Aber, und da wurde dann das Konzert doch etwas irritierend: Lopez Reynosos Musizieren wirkte eher nüchtern, als dass es einen direkt ergriffen hätte. Es scheint nicht die Stärke dieses Dirigenten zu sein, im Konzertsaal große Spannungsbögen zu halten. Und die des Cellisten Karl Huros auch nicht so recht. Huros konnte zwar mit vielen sehr gelungenen Details in seinem Spiel überzeugen, aber gerade dieses Dvorák-Konzert bräuchte einen ganz langen musikalischen Atem, den Huros aber nicht so recht zu spannen verstand. Darum geriet gelegentlich die Balance zwischen Orchester und Solist zu dessen Nachteil aus dem Gleichgewicht.

Nach der Pause dann Schumanns dritte Sinfonie, ein Stück mit einem etwas problematischen ersten Satz und nachfolgenden musikalischen Preziosen in weiteren vier Sätzen. Dem Dirigenten gelangen diese als total in sich schlüssigen Sätze, die aber als Ganzes doch nur bedingt überzeugten, da Lopez Reynoso die Verhältnisse der einzelnen Sätze zueinander fast komplett ignoriert.

So bleibt doch ein wenig der Eindruck hängen, dass viele gelungene Einzelheiten nur bedingt ein gelungenes großes Ganzes machen. Aber die vielen gelungenen Einzelheiten erwiesen sich sehr wohl als ein hoher Wert an sich.

Von Reinald Hanke