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Celle Stadt Kostendruck: TRC speckt Streetparade und Altstadtfest ab
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kostendruck: TRC speckt Streetparade und Altstadtfest ab
18:28 09.11.2010
Von Oliver Gatz
Celle Stadt

Zurück zu den Wurzeln – so lautet das Motto der Tourismus Region Celle (TRC) für die Streetparade im kommenden Jahr. Vor dem Hintergrund der derzeitigen ausgedünnten Personalsituation der sich im Umbau befindlichen TRC und der angespannten Haushaltslage der Stadt werden bei den großen Veranstaltungen 2011 kleine Brötchen gebacken.

Wie TRC-Geschäftsführer Christian Henze mitteilte, schrumpft die seit jeher finanziell problematische Streetparade im Frühjahr zu einer Tagesveranstaltung. Nur am 28. Mai werden Marchingbands durch die Innenstadt ziehen und für Stimmung sorgen. Man wolle mit dem neuen Konzept zum Ursprung der Veranstaltung mit Paradencharakter zurückkehren, sagte Henze. Ein umfangreiches Bühnenprogramm sei mit dem eigentlichen Thema der Streetparade „nicht kompatibel“. Außerdem sei die Veranstaltung durch das abgespeckte Angebot „kostenmäßig überschaubarer“. Eventuell werde die Streetparade eingerahmt von einem Gospel-Konzert am Vorabend sowie einem Jazz-Frühschoppen am darauffolgenden Tag, fügte Henze hinzu. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, die Streetparade am Samstagabend mit Jazz-Veranstaltungen in diversen Lokalen ausklingen zu lassen.

Einschnitte auch beim Altstadtfest: Lediglich am 13. August ist Partystimmung in der Innenstadt angesagt. Die TRC plant im Vergleich zu den Vorjahren weniger Bühnen und will zugleich regionale Künstler in den Vordergrund stellen. Die Anzahl namhafter und deutschlandweit bekannter Interpreten dürfte 2011 deutlich geringer ausfallen. Die Wahl der Miss Barock soll aber Bestandteil des Festes bleiben. Henze könnte sich auch vorstellen, die Sportvereine stärker in das Altstadtfest einzubinden. Den Planungen der TRC zufolge soll die Sause am späten Vormittag beginnen. Bis in die Nacht hinein soll das Publikum feiern können.

Henze sieht derzeit wenig Spielraum bei den städtischen Finanzen. Dies sei mit ein Grund, weshalb man von den großen, spektakulären Veranstaltungen auf eine „etwas konzentriertere Form“ zurückkehren wolle. „Sowohl Streetparade als auch das Altstadtfest sind stark witterungsabhängig“, erläuterte Henze. Sie seien mit einem hohen finanziellen Risiko behaftet. Sollte aufgrund schlechten Wetters die Resonanz niedrig sein, gehe unterm Strich die Rechnung für die TRC nicht auf.

KOMMENTAR

Natürlich ist es wichtig, dass eine Stadt mit spektakulären Veranstaltungen auf sich aufmerksam macht. Streetparade und Altstadtfest locken stets tausende auswärtige Gäste an. Sind allerdings die öffentlichen Kassen leer – und das sind sie in Celle in dramatischer Weise – wäre es unverantwortlich, dies bei der Planung zukünftiger Events unberücksichtigt zu lassen. Obwohl Streetparade und Altstadtfest schon immer finanziell auf wackeligen Füßen standen, hat das Publikum von der TRC und der Politik immer perfekte Riesen-Feten erwartet. Die Folge: Die TRC fuhr enorme Verluste ein. Das darf in Zukunft nicht mehr sein. Es wäre fatal, wenn die im Aufbau begriffene städtische TRC-Nachfolgegesellschaft gleich im ersten Jahr mit einem dicken Minus starten würde. Das Signal wäre: Die neuen Event-Macher sind ebenfalls nicht imstande, die Kosten im Griff zu halten. Mit 800000 Euro Steuergeld wird die GmbH jährlich ausgestattet sein. Damit sollte sie über die Runden kommen. Nebenbei: Stadtmarketing und Tourismusförderung ist mehr als das Organisieren von einer Handvoll Super-Sausen im Jahr. Das Geschäft wird hauptsächlich mit Besuchern gemacht, die mehrere Tage in Celle verbringen. Und das sind zahlungskräftige Städtetouristen, die nicht unbedingt wegen Bierbuden und Ex-Stars der Neuen Deutschen Welle nach Celle kommen. Oliver Gatz