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Celle Stadt Kostenexplosion bei Inklusion in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kostenexplosion bei Inklusion in Celle
14:02 11.12.2013
Von Oliver Gatz
Folge der Inklusion: Die bei der Stadt anfallenden Kosten für Schulbegleiter sind drastisch gestiegen.  Quelle: Martina Hancke
Celle Stadt

Behinderte Kinder haben Anspruch auf individuelle Unterstützung, wenn sie in der Regelschule unterrichtet werden. Dazu stehen ihnen Schulbegleiter oder Integrationshelfer zur Seite. Das können Sozialpädagogen oder Krankenschwestern sei – je nach Behinderung des Kindes. Die bei der Stadt anfallenden Kosten dieser Eins-zu-eins-Betreuung sind in den vergangenen Monaten drastisch gestiegen.

Betrugen die Kosten für die körperlich und geistig behinderten Kinder im Rahmen der Eingliederungshilfe 2010 erst knapp 690.000 Euro, werden es in diesem Jahr voraussichtlich 920.000 Euro sein. Für das kommende Jahr rechnet die Verwaltung mit noch mehr – und zwar mit 1,1 Millionen Euro für Schulbegleiter. Bei den seelisch behinderten Kindern, unter ihnen die Fälle mit Asberger-Syndrom – einer Form von Autismus –, haben sich die Kosten fast verdoppelt: von rund 413.000 Euro auf 709.000 Euro bis Ende Oktober. Dabei hat jedes Kind, das die Ganztagsschule besucht, auch einen ganztägigen Betreuer. Bis zu 3500 Euro pro Monat kommen da zusammen.

Hintergrund dieser Entwicklung ist die Inklusion und der geplante sukzessive Abbau der Förderschulen. So werden Kinder mit einer Behinderung wie dem Asperger-Syndrom in Zukunft an den Grundschulen und weiterführenden Schulen unterrichtet. Dort erhalten sie Hilfestellung von Schulbegleitern. Die Zahl der Begleitungen steigt – von 15 Ende 2012 auf 27 Ende dieses Jahres. Bisweilen kommt es dabei auch zum Rechtsstreit mit der Stadt.

Im bundesweiten Vergleich sind die Steigerungsraten in Niedersachsen und Celle besonders hoch. Nicht nur aus finanziellen Gründen betrachtet Stadtrat Stephan Kassel das Konzept der Schulbegleitung kritisch. „Eine individuelle Begleitung hat nach meinem Verständnis nichts mit Inklusion zu tun, sondern ist exklusiv“, sagt er. Die Teilhabe der betroffenen Kinder müsse in sinnvollerer Weise ermöglicht werden. Dies sei eine Frage der Unterrichtsgestaltung.

Damit liegt der Ball wieder beim Land, das die Frage beantworten muss, wie viel sonderpädagogische Unterstützung die Regelschulen für die Unterrichtung behinderter Schüler erhalten. Die angedachten zwei Wochenstunden pro Klasse bei seelischer Behinderung reichen aus Sicht vieler Eltern bei weitem nicht aus.

Die Kostenexplosion bei der Eingliederungshilfe will auch die SPD-Ratsfraktion mit Blick auf den Haushalt 2014 nicht hinnehmen. Sie erwartet von der Verwaltung neue Konzepte im Zusammenhang mit Schulbegleitung beim Asperger-Syndrom. „Einmal ist den Kommunen einzuräumen, die Diagnosen zu überprüfen, zum anderen ist zu prüfen, ob mit neuen Konzepten einem derzeit noch bestehenden individuellen Anspruch auf einen kostspieligen Schulbegleiter anders, aber ebenso effektiv begegnet werden kann“, so Fraktionschef Jürgen Rentsch. Die erheblichen Kostensteigerungen von rund einer halben Million Euro könnten so minimiert werden.

Die drastisch angestiegenen Kosten bei der Schulbegleitung treffen im Übrigen alle Kommunen. Auch der Landkreis plant dafür im kommenden Jahr 1,5 Millionen Euro mehr ein. Verbesserungen erhoffen sich die kommunalen Spitzenverbände nun durch das von der Großen Koalition geplante Teilhabegesetz, das die Städte und Gemeinden entlasten soll.