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Celle Stadt Krätze geht in Celle um
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Krätze geht in Celle um
19:13 17.11.2017
Von Dagny Siebke
Celle Stadt

Die Mitarbeiterin einer Kinder- und Jugendarztpraxis schlägt Alarm: „Meine Geduld ist am Ende. In den vergangenen drei Monaten sind allein bei uns über 70 Fälle von Scabies aufgetreten. Trotz mehrfacher Telefonate mit dem Gesundheitsamt passierte nichts.“ Sie verlange eine bessere Aufklärung und Unterstützung, sagt sie. Besonders Flüchtlingsfamilien müssten besser informiert werden.

Landkreis-Sprecher Tore Harmening bemüht sich um eine Erklärung: „Die Krätze ist nach dem Infektionsschutzgesetz nicht meldepflichtig. Genaue Zahlen hat der Landkreis daher nicht.“ Ein gewisser Anstieg der Fälle in den vergangenen zwei Jahren sei aber zu beobachten. Dies gehe aus den Meldungen der betroffenen Gemeinschaftseinrichtungen hervor, die um Beratung bitten, wie weiter vorgegangen werden soll.

Derzeit sind dem Gesundheitsamt fünf Fälle bekannt, drei davon in einem Kindergarten. Die anderen beiden Fälle in einer jeweils anderen Kita. „Wenn in einem Kindergarten ein Fall von Skabies bekannt wird, muss die Leitung das Gesundheitsamt des Landkreises informieren. Ärzte sind gesetzlich nicht verpflichtet, das zu tun“, betont Harmening. Er spricht von Einzelfällen, die immer mal wieder aufträten. Bei den aktuellen Fälle sei keine Flüchtlingsfamilie betroffen.

Eine Häufung in bestimmten Einrichtungen sei nicht erkennbar, so Harmening. Das Gesundheitsamt stehe den Einrichtungen beratend zur Seite. „Kinder, die Skabies haben, dürfen Einrichtungen nicht besuchen, bis ein Kinderarzt eine Unbedenklichkeitsbescheinigung ausstellt, wenn kein Übertragungsrisiko mehr besteht.“

Im Celler Rathaus habe man Anfang November erfahren, dass es eine Häufung von Krätze-Fällen im Stadtgebiet gibt, sagt Stadtsprecherin Myriam Meißner. „Wir haben die Meldung sowohl in unserem Fachdienst Schulen und Kinderbetreuung breit gestreut als auch die freien Träger der Jugendhilfe informiert.“

Den Kollegen der Zentralen Anlaufstelle (ZAS) in Celle seien in den vergangenen Jahren vereinzelt Fälle von Skabies im Stadtgebiet bekannt geworden, so Meißner. Habe bei Geflüchteten der Verdacht bestanden, hätten die Verwaltungsmitarbeiter einen Termin bei einem Arzt vereinbart und die Betroffenen auch begleitet. Gemeinsam habe man Salben besorgt und sei Infoblätter in der Muttersprache durchgegangen. Hierzu ergänzt Landkreis-Sprecher Harmening: "Problematisch ist, dass schlechte hygienische Bedingungen auf der Flucht die Ausbreitung der Krätze begünstigten. Die Umstände der Flucht erschwerten zudem eine Behandlung." Um Verständnisschwierigkeiten vorzubeugen, informiere das Gesundheitsamt jetzt mit Merkblättern in der Herkunftssprache.