Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Kraft des Wassers im Mittelpunkt der Celler "BilderKlänge"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kraft des Wassers im Mittelpunkt der Celler "BilderKlänge"
16:57 07.07.2014
Ausschnitt aus Marten de Vos’ Gemälde „Die Taufe Jesu“. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

In einem spannend gestalteten Lichtbildervortrag rückten Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums, und Pastor i.R. Michael Stier einmal mehr die Schönheit und Bedeutung der Schlosskapelle in den Fokus, indem sie den interessiert lauschenden Zuhörern reizvolle Blicke auf die verborgenen Schätze der für die Öffentlichkeit aus konservatorischen Gründen nicht zugänglichen Kapelle boten und diese bedeutenden Zeugnisse frühprotestantischer Renaissancekunst sowohl aus kunsthistorischer als auch aus theologischer Sicht erläuterten und ihren Sinn erlebbar machten.

Die Referenten hatten die von dem bedeutenden belgischen Maler Marten de Vos (1532–1603) stammenden symbolträchtigen Darstellungen der Taufe Jesu und der Sintflut sowie der Einschiffung der Tiere in die Arche Noah ausgewählt, um den Zuhörern anhand dieser Beispiele die besonderen Fertigkeiten des Künstlers einerseits und den theologischen Symbolgehalt seiner Bilder andererseits näher zu bringen. Alle drei Bilder befinden sich auf der Empore der Schlosskapelle und setzen die Taufe und die Sintflut in Beziehung zueinander. „Gott führt beide Male durch das Wasser hindurch und rettet die Menschen“, erläuterte Michael Stier die Situationen, in denen jeweils „durch das Eintauchen und das schließlich gereinigte beziehungsweise geläuterte Wiederauftauchen“ eine „Scheidung von der übrigen Menschheit“ erfolge.

Juliane Schmieglitz-Otten beschrieb den Maler als Künstler, der den Manierismus, also den „extravagant inszenierenden Stil“ der Spätrenaissance im Übergang zum Barock, auf „ausdrucksvoll dynamisierende“ Weise mit der flämischen Tradition des Realismus verbinde. Marten de Vos sei vor allem von Italien fasziniert gewesen, von Florenz, Rom und Venedig, vor allem von der überaus starken Leuchtkraft des Kolorits in der venezianischen Malerei, und er sei sichtlich „inspiriert von Tintorettos Landschaftshintergründen“, schilderte sie. Dabei verwies sie beispielhaft auf die bis in die kleinsten Einzelheiten reichende Detailgenauigkeit, die mit Hilfe der vorzüglichen Beobachtungsgabe des Malers „auf drei unterschiedlichen Ebenen ihren Weg in den Bildraum gefunden“ haben, die bildliche, die erzählende und die „den Betrachter einbeziehende“. Die „arkadisch-traumhafte“ Kulisse bei der Darstellung der Taufe Jesu etwa untermale augenfällig die paradiesische Vorstellung vom Reich Gottes.

Die Vortragssequenzen wurden durch Martin Winkler an der Orgel ergänzt, der mit malerischer Registrierung und adäquater Tonsprache unter anderem die Bach-Kantate BWV 208 „Schafe können sicher weiden“, eine Hindemith-Fantasie und – mit einem bildhaft-farbenreich kolorierten Cantus firmus – Samuel Scheidts niederländische Lied-Variationen zu Gehör brachte.

Von Rolf-Dieter Diehl