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Celle Stadt Kreis Celle beschließt Mini-Schulreform
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kreis Celle beschließt Mini-Schulreform
19:18 20.04.2016
Die Oberschule Westercellebekommt ab dem nächsten Schuljahr einen gymnasialen Zweig.   Quelle: Karin Dröse
Celle Stadt

Derzeit tobt der Streit über neue Gesamtschulen, doch ziemlich geräuschlos hat der Landkreis am Dienstag zwei Änderungen in der Schullandschaft beschlossen, die durchaus das Potenzial haben, Schülerströme weiter zu verschieben.

Der Kreisausschuss hat laut Kreisdezernent Bernd Niebuhr mit breiter Mehrheit beschlossen, dass die Oberschule (OBS) Westercelle zum kommenden Schuljahr einen gymnasialen Zweig bis zur zehnten Klasse bekommt, also quasi ein „Gymnasium light“. Gleichzeitig wurden mit einer weiteren Entscheidung die Schulbezirke für die Stadt aufgehoben. Jetzt können Schüler aus Celle sich auch bei einer OBS in der Fläche anmelden.

Der Leiter der OBS Westercelle, Ulf Krüger, begrüßte das Votum: „Wir freuen uns und werden das Angebot auch bis zum kommenden Schuljahr realisieren können.“ Er will den Zweig vor allem als Angebot für die Rückkehrer verstehen, die es am Gymnasium nicht schaffen. Doch letztlich wird sich zeigen, ob die Schule nicht deswegen auch aus dem Kreis stärker als bisher angewählt wird.

Bereits im vergangenen Jahr war die Schule so stark nachgefragt, dass das Losverfahren entscheiden musste. „Viele Schüler kommen dabei traditionell aus dem Südost- und dem Ostkreis“, sagt Schulamtsleiter Reinhard Toboll. Gleichzeitig gibt es nach seinen Worten weiter Vorbehalte gegenüber der OBS auf der Heese, die er allerdings für unbegründet hält. Doch die Vorbehalte beeinflussen offenbar das Anwahlverhalten der Eltern. Durch die Auflösung der Schulbezirke wird es für diese in Zukunft auch leichter, auf die Fläche auszuweichen. „Derzeit gehen um die 20 Schüler pro Jahr aus der Stadt in eine Oberschule in der Fläche“, sagt Toboll. Wie das zukünftig sein wird, kann er derzeit nicht seriös abschätzen.

Die Grünen im Kreistag sind skeptisch, was das neue Angebot an der OBS Westercelle angeht. „Ich gönne das der Schule, doch wir hätten uns gewünscht, dass es zunächst mal eine Evaluation der Angebote an anderen Standorten gegeben hätte“, sagte Bernd Zobel, Vertreter der Grünen im Kreisschulausschuss.

SPD und CDU sind für die Einführung. „Die Schule möchte das und es war bisher Grundsatz, dass wir das dann machen“, sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Müller. Maximilian Schmidt (SPD) sah das ähnlich und ergänzte, dass „selbst die Gymnasien nichts gegen ein solches Angebot einzuwenden hatten.“

Schulleiter Ulf Krüger rechnet in der Zukunft damit, dass mehr Eltern ihre Kinder auf den Gymnasien abmelden werden, wenn die Laufbahnempfehlung wegfällt. Ob seine Prognose richtig sein wird, werden die nächsten Schulanmeldezahlen zeigen. Interessant wird vor allem, ob die OBS Westercelle überhaupt in der Lage sein wird, Rückläufer aus den Gymnasien aufzunehmen. Denn wenn die Anwahl so weitergeht, wird es mit Plätzen für neue Schüler dort mehr als eng.

Von Tore Harmening