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Celle Stadt Kreisjägerschaft gegen "bleifrei"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kreisjägerschaft gegen "bleifrei"
21:47 02.09.2013
Interssiert schauen Besucher, darunter ganz rechts Faßbergs stellvertretender Bürgermeister Kay Peters, bei der Fütterung der Wildschweine zu Quelle: Udo Genth
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Welche Jäger er damit meint, bleibt offen. Die Verantwortlichen der Celler Kreisjägerschaft können es jedenfalls nicht gewesen sein. Sie sehen die Umstellung kritisch, denn aus ihrer Sicht haben die Kugeln ohne Blei nicht die gewünschte Wirkung.

„Die Diskussion über bleifreie Munition wurde durch Jagdgegner vor einigen Jahren begonnen und wird auch so gepflegt. Sie leidet unter bewusster Unschärfe und gezielter Verallgemeinerung im Wechsel mit aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen und Fakten”, sagt Hans Goller, Vorsitzender der Celler Kreisjägerschaft.

So werde behauptet, dass Wild durch Bleimunition kontaminiert werde. „Ein Stück Rehwild wiegt im Durchschnitt etwa 15 Kilo. Bleigeschosse 10 Gramm, wovon 7 bis 9 Gramm das Stück durchschlagen, also gar nicht mehr im Wildkörper vorhanden sind”, erklärt Goller. Die restlichen 1 bis 3 Gramm würden mit den Innereien und zerstörtem Gewebe weitgehend entfernt. „Wie soll denn Wildbret der Keulen eines Rehs, das mit Blattschuss getreckt wurde, mit Blei belastet sein?”, fragt Goller rhetorisch.

Er fühlt sich bestätigt durch eine EU-Studie, die feststellt, dass der Beitrag von Wild zur Belastung von Menschen nur sehr gering beiträgt, auch wenn das Wildfleisch höhere Bleiwerte aufweist. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das Bundesinstitut für Risikobewertung, das feststellt, dass es bei ein bis zwei Wildmahlzeiten im Jahr „kein erhöhtes Gesundheitsrisiko gibt.” Goller sieht auch Abprallverhalten von bleifreien Kugeln kritisch. Hier werde oft transportiert, dass die Eigenschaften gleich seien, obwohl die Munition nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht wurden. „Inzwischen belegen Erfahrungen aus der Praxis, dass bleifreie Munition Ablenkwinkel im Wildkörper von bis zu 90 Grad erreichen kann, um dann wieder auszutreten mit immer noch tödlicher Wirkung”, sagt Goller. Belegt sei ein tödlicher Jagdunfall, bei dem das Geschoss eines anderen Jägers durch mehrere Hindernisse nacheinander extrem abgelenkt worden ist. Dies sei mit bleihaltiger Munition in über 120 Jahren Nutzung nie beobachtet worden. Er hält die Tötungswirkung der bleifreien Munition auch für nicht so hoch wie die bleihaltige. „Für die Jagdpraxis bedeutet dies, dass erheblich vermehrte und längere Nachsuchen erforderlich werden, wie Schweißhundführer beklagen”, sagt Goller.

Auch das Argument, dass mit dem Blei Flächen kontaminiert werden, hält er für abwegig: „Nach den derzeitigen Zahlen, werden pro Jahr 3,62 Gramm Blei pro Hektar und Jahr verschossen. Die These, dass die Jäger mit Büchsenmunition die Landschaft verbleien, ist daher eine Lüge, die die Öffentlichkeit bewusst verunsichern soll.” Tore Harmening

Von Tore Harmening