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Celle Stadt Krimi-Autor als begnadeter Entertainer
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Krimi-Autor als begnadeter Entertainer
16:54 25.06.2012
Jugendbuchwoche - Klaus-Peter Wolf liest aus seinem Krimi "Ostfriesenangst". - Klaus-Peter Wolf und Bettina Gˆschl. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Klaus-Peter Wolf liest bei Decius aus seinem neuesten Krimi „Ostfriesenangst“: Was Besonderes verspricht das der Papierform nach nicht unbedingt zu werden, gibt es doch Krimi-Autoren mit lokaler Verwurzelung wie Sand am Meer. Schon seit mehr als einem Jahrzehnt ist der Lokalkrimi zu einer eigenen, ausgesprochen erfolgreichen Gattung der Unterhaltungsliteratur geworden. Nun also der aus Nordrhein-Westfalen stammende Erfolgsautor Wolf, der schon seit vielen Jahren in Ostfriesland lebt, zusammen mit seiner Frau, der Kinderbuchautorin und Musikerin Bettina Göschl, zu Gast in Celle.

Wenn man sich vorab bereits Wolfs Buch zu Gemüte geführt hat, so konnte man Zweifel bekommen, ob das eine gute Veranstaltung wird, denn Wolfs „Ostfriesenangst“ ist kein Krimi-Meisterwerk. Natürlich: Wolf schreibt auffallend gute Dialoge, die Story ist obgleich sehr kompliziert, so doch durchaus glaubwürdig, aber die Sprache Wolfs ist eben wirklich nur in den Dialogen gut. Und dann, wenn er Pointen setzt. Immer wenn Wolf einfach nur erzählt, bleibt Wolfs Sprache blass und meist nichtssagend, manchmal gar mit falschen Sprachbildern gespickt. Und vor allem: Die innere Struktur des Krimis ist wirr, zerfasert in alle Richtungen, entwickelt keinen Zug. Da mag man kaum an Friedrich Glauser als den Vater und Meister des Lokalkrimis denken. Und dann gibt es auch zudem noch geradezu ärgerliche Momente, in denen in „Ostfriesenangst“ schamloses „Productplacement“ betrieben wird indem beispielsweise namentlich vom guten Marzipan einer tatsächlich existierenden Konditorei die Rede ist. Nein: Dieser Krimi überzeugt nicht. Aber der Entertainer Klaus-Peter Wolf, das ist eine Entdeckung. Und eben deshalb war die Veranstaltung bei Decius auch eine höchst erfreuliche Sache. Und das nicht nur, weil trotz fußballerischem Konkurrenzprogramm mit Public Viewing im Französischen Garten die Reihen der Buchhandlung gut gefüllt waren, sondern weil es einfach Spaß machte, Wolf zuzuhören.

Wolf ist als Repräsentant seiner eigenen Bücher ein Kaliber besonderer Art. Er erzählt ganz locker von der Geschichte seiner Krimireihe als ob er zu Hause am Küchentisch mit Freunden sitzen würde. Wie er das dem Publikum vermittelt, das könnte kein TV-Moderator besser. Er setzt hier mal eine Pointe, ironisiert dort mal ein wenig, erklärt dem Publikum, wie er es schafft, dass alle lokale Angaben auch wirklich bis ins Detail stimmen. Und dann kokettiert er auch mal mit seiner Rolle als Autor, der noch wie früher mit Füllfederhalter in ein Buch schreibt. Schließlich liest er aus seinem Buch. Und er liest handwerklich auf einem Niveau, das viele TV-Schauspieler nie erreichen werden. Die Auswahl der Textauszüge ist zwar manchmal etwas fragwürdig und wenig einleuchtend, aber das ist die Struktur des Buches ja auch nicht. Geschickt baut er noch kleine musikalische Momente seiner Gitarre spielenden und singenden Gattin ein. Keine Frage: Der Entertainer Wolf, das war eine Entdeckung.

Von Reinald Hanke