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Celle Stadt Kriminelle im Landkreis Celle auf freiem Fuß
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kriminelle im Landkreis Celle auf freiem Fuß
15:51 27.04.2016
Celle Stadt

Das heißt: Vier verurteilte Straftäter laufen frei rum, weil sie keine Lust haben, ins Gefängnis zu gehen oder weil sie ihre richterlich verordnete Geldstrafe nicht begleichen wollen. Dazu kommen 43 Menschen, die ihre Rechnungen nicht bezahlen können oder wollen, und bald so lange in Haft kommen, bis sie es tun. Das sind die sogenannten Erzwingungshaftbefehle.

Es ist mitnichten so, dass Straftäter bei einer Verurteilung zur Haftstrafe ohne Bewährung sofort ins Gefängnis müssen. Wenn sich der Kriminelle vorher nicht in U-Haft befand, darf er den Gerichtssaal bis zu seinem Ladungstermin in der Regel als freier Mann verlassen. Saß er in U-Haft, entscheidet der Richter am Ende des Prozesses, ob diese bis zum Haftantritt bestehen bleibt. In der Regel ist das bei schwerwiegenderen Verbrechen wie Mord oder Raub der Fall.

Problematisch wird es dann, wenn ein Straftäter seiner Ladung nicht nachkommt. „Dann informiert uns die Justizvollzugsanstalt darüber und wir fahren zum Wohnsitz des Verurteilten“, sagt Thorsten Wallheinke von der Celler Polizei. Er ist sich sicher: „Früher oder später kriegen wir sie alle“ – und die Statistik gibt ihm Recht. Denn von den 860 Vollstreckungshaftbefehlen im Landkreis Celle wurden ihm Jahr 2015 auch 860 vollstreckt, wie Zahlen der Polizei belegen. Daraus resultierten 14.400 Tage Haft und 325.000 Euro Strafgelder.

Manche Betroffene wissen gar nichts von ihrem „Glück“, bis dann die Polizei an der Haustür läutet. „Es gibt Menschen, die wechseln den Wohnort und melden sich dann nicht um“, erklärt Wallheinke. So laufen Mahnungen und Ladungen ins Leere. Irgendwann ermittelt die Polizei dann den neuen Wohnsitz des Betroffenen und nimmt ihn mit aufs Revier. Dort hat er dann die Wahl: Geldstrafe bezahlen oder hinter Schloss und Riegel. Manche haben auch gar keine Wahl, wenn sie eine Ladung zum Haftantritt ignoriert haben. Dann bleiben sie für die Dauer ihrer gerichtlich angeordneten Strafe in Haft.

„Wir haben hier immer zwischen 50 und 70 offene Haftbefehle“, sagt Wallheinke. Die würden aber alle nach und nach bearbeitet werden, ergänzt er. Und so kann man sich sicher sein: Wer im Landkreis Celle seine gelben Briefe ignoriert, Strafzettel nicht begleicht oder sich vor der Haftstrafe drücken will, landet früher oder später doch im Knast.

Von Alexander Hänjes