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Celle Stadt Künstler Finn Wagner beleuchtet in Celle Bedingungen mit Licht und Wasser in Aquarium
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Künstler Finn Wagner beleuchtet in Celle Bedingungen mit Licht und Wasser in Aquarium
17:06 20.01.2017
Celle Stadt

In einem Aquarium, das von einem Metallsockel gefasst ist, plätschert eine Wasserfontäne. Weißes Tageslicht wechselt sich mit blau leuchtendem UV-Licht ab. „Light renders sound“ heißt die Arbeit von Finn Wagner, in der Licht die Akustik beeinflusst: Grelles Licht lässt das Wasser verstummen, jedoch natürlich aussehen. Beginnt das Wasser unter UV-Licht künstlich zu leuchten, ertönt dazu der Klang des Wassers. Dasselbe Material wird unter zwei verschiedenen Bedingungen beleuchtet. Dabei erweitert sich der Wirkungskreis des Mediums Licht durch den Einfluss auf Klang. „Licht bekommt in meiner Arbeit mehr Eigenschaften zugeschrieben als es eigentlich hat. Ich spiele mit Wahrnehmungen und Erwartungen gegenüber dem, was wir unter „Realität“ verstehen,“ erklärt der Künstler.

Aber das ist nicht das einzige Spiel mit Licht in Wagners Arbeit. Je zwei kleine LED-Lampen leuchten an gegenüberliegenden Seiten des Sockels in Rot und Grün. Verknüpft sind sie mit Ultraschallsensoren. „Betritt jemand den Raum, nehmen die Sensoren die Veränderung wahr und schalten auf Grün. Es entsteht der Eindruck, als könnten wir Einfluss auf die Arbeit nehmen.“ Tatsächlich aber ist ein Algorithmus eingebaut, der den Wechsel der Lichtzustände regelt. Nur zu bestimmten Zeiten gibt es einen interaktiven Modus. „Man müsste sehr viel Zeit mit der Arbeit verbringen, sie kennenlernen, um den genauen Algorithmus zu verstehen. Und selbst dann bleibt ein Rest Unsicherheit,“ verdeutlicht Wagner.

Das ist durchaus gewollt: Der Verlust der Kontrolle über eine künstlerische Arbeit, in einer Ausstellung, die fragt, wie wir (an und durch Licht) teilhaben können. Die Verweigerung und die Verunsicherung über die Form der Teilhabe stellt Fragen nach dem Verhältnis von Macht und Ohnmacht. „Meine Arbeit zwingt den Rezipierenden das Licht quasi auf. Es gibt keine Möglichkeit zur bewussten Beeinflussung. Ich teile, indem ich einen Vorschlag mache: zwei unterschiedliche Zustände. Die Willkür des Wechsels müssen die Betrachter aushalten.“ Was Wagner stattdessen anbietet ist eine Möglichkeit der Auseinandersetzung damit, wie wir Medien, Materialien und Realität wahrnehmen. „Oft können wir Realität erst unterscheiden und begreifen, wenn sich Zustände ändern oder etwas fehlt, wenn unsere Wahrnehmung gestört wird. Aus den Korrespondenzen zwischen den Medien entsteht für mich so etwas wie eine analoge virtuelle Realität.“ Ein unendliches und spannendes Spiel mit analogen und digitalen Materialitäten und Wirklichkeiten, die zur Suche nach immer neuen Realitäten animiert.

Finn Wagner lebt und arbeitet in Köln. Seit 2013 studiert er an der KHM Köln.

Von cz