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Celle Stadt Künstler zwischen Tabu und Tabubruch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Künstler zwischen Tabu und Tabubruch
12:43 12.09.2017
Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Celle Stadt

Vor der Fassade des Fachwerkhauses konnten interessierte Altstadt-Flaneure die Live-Spray-Aktion des hiesigen Graffiti-Künstlers Jörg „Artes“ Pippirs verfolgen, der dort öffentlich das Banner für die kommende Ausstellung vollendete.

Reinhard Walter Ludwig Eduard Möller, der die Initialen seiner vier Vornamen zu seinem Logo RWLE machte, war Maler, Stadtchronist und Autor, aber auch Lebenskünstler, Hippie und Feingeist. Und er galt als „Gewissen“ seiner Heimatstadt Celle, der er „in tiefer Hassliebe verbunden“ war. „Sowohl seine Kunst als auch sein stadtchronistischer Ansatz beschäftigten sich konstant mit Tabu und Tabubruch“, erzählt Jasmin-Bianca Hartmann, die die Ausstellung im Bomann-Museum kuratieren wird. Beispielhaft dafür sei erwähnt, dass Möller seinerzeit als Schüler des Hermann-Billung-Gymnasiums eine Schülerzeitung gründete, deren zweite Ausgabe „beste Schülerzeitung Niedersachsens“ wurde und deren dritte Ausgabe verboten wurde.

Für die künstlerischen Qualitäten Möllers, der sich bewusst gegen ein akademisches Studium entschieden hatte, sprechen wiederum die rund 30 Einzel- und 80 Gruppen-ausstellungen mit seinen Werken im In- und Ausland für sich. Mit Blick auf die zahlreichen Celler Motive unter seinen Arbeiten stellt Hartmann fest, dass Möllers Bilddokumente „wesentliche Fragmente einer von ihm subtil mitgeprägten Stadt“ seien und sichtbar machen, „wie sie sich vor den wachsamen Augen des Künstlers ausbreitete und entwickelte“.

Eine Veranstaltung, die neugierig macht auf die Ausstellung und auf den viel zu jung verstorbenen Künstler, dem sie gewidmet ist.

Von Rolf-Dieter Diehl