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Celle Stadt Kultur: Stadt plant Leuchtturmprojekt
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kultur: Stadt plant Leuchtturmprojekt
16:37 23.04.2013
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Bis 2030 wird Celle etwa 7000 Einwohner weniger haben, der Anteil der jungen Menschen an der Bevölkerung wird sich bis dahin halbieren, der der älteren Menschen verdoppeln, Haushalte mit Kindern gehören dann zu einer absoluten Minderheit, in der Folge werden Kindergärten geschlossen werden müssen, für die Stadt wird es unter anderem weniger Mittel aus dem Finanzausgleich geben. Das sind nur ein paar Auswirkungen des demografischen Wandels auf Celle, die Wilhelm von Fintel, Fachbereichsleiter Organisation, in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses skizzierte.

Sich mit der Lage abfinden, möchte man sich im Neuen Rathaus allerdings nicht. „Wir werden nur bestehen, wenn wir junge Menschen in die Stadt holen“, erklärte von Fintel. Um Celle attraktiver zu gestalten, geht es allerdings nicht nur um Arbeitsplätze und günstigen Wohnraum, sondern auch um das Kulturangebot. In diesem Bereich möchte die Stadt ein Leuchtturmprojekt auf den Weg bringen.

Von vielen wird der wirtschaftliche Aspekt von Kultur unterschätzt. „Ein Tagestourist gibt neben dem Eintritt in die verschiedenen Museen und anderen Einrichtungen 43 Euro aus“, berichtete von Fintel. Das sei eine erhebliche Summe für Celles Wirtschaftskraft. Kultur gelte daher mittlerweile längst als harter Standortfaktor. So habe eine Untersuchung aus dem Jahre 1994 belegt, dass für jede D-Mark, die die öffentliche Hand in die Kulturhalle Emden investiert hatte, vier D-Mark in den Wirtschaftskreislauf von Stadt und Region zurückflossen.

Kultur leistet außerdem einen wichtigen Beitrag für die soziale Infrastruktur und Integration. „Der Kultur kommt eine herausragende Rolle zu, wenn es darum geht, mit dem demografischen Wandel konstruktiv umzugehen“, erklärte Erste Stadträtin Susanne Schmitt.

Beim Leuchtturmprojekt sollen zunächst einmal die Angebote der Celler Kulturinstitutionen und der freien Kulturträger unter den Aspekten Generationengerechtigkeit, Migration/Integration sowie kulturelle Bildung und Kreativitätsförderung erfasst werden. Generationsspezifische und -übergreifende Angebote sollen weiter entwickelt werden.

In einem weiteren Schritt soll der Fachbereich Kultur ein Netzwerk zwischen den kulturellen Einrichtungen der Stadt spinnen. Ziel: Erfahrungsaustausch, Abstimmung von Angeboten, gemeinsames Marketing und gemeinsame Förderakquise. Auch die Auslobung eines Förderpreises Kultur ist angedacht. „Das ist erst einmal der Rahmen, der natürlich verfeinert werden muss“, sagte von Fintel. Das Neue Rathaus müsse sehen, ob sich diese Ziele mit Bordmitteln realisieren ließen oder, ob man das Projekt extern begleiten lässt.

Unter den Mitgliedern des Kulturausschusses fanden von Fintels Ausführungen großen Anklang. Ausschussvorsitzende Amei Wiegel (SPD) war froh zu hören, was sie schon immer gewusst hat: „Kultur und Kulturarbeit sind nicht das Sahnehäubchen, sondern ein Gewinn, der sich auch in Euro messen lässt.“ Das müsse man im Hinterkopf haben, wenn bei den kulturellen Ausgaben im Haushalt von freiwilligen Leistungen die Rede sei, die man sich gerade noch leisten könne.

Für Wiegel ist klar, dass der Schwerpunkt auf den beiden Arbeitsbereichen Erfassung der Kulturangebote und Netzwerk liegen müsse. „Der Förderpreis ist allenfalls eine Zugabe“, sagte die Vorsitzende des Kulturausschusses.