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Celle Stadt Kunsthandwerker-Markt in Celler CD-Kaserne
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kunsthandwerker-Markt in Celler CD-Kaserne
18:55 22.10.2017
Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

NEUENHÄUSEN. Als nüchtern und zurückgenommen lassen sich die Hallen und Flure für diesen Anlass beschreiben, sie lenken nicht ab von Schinken neben Schmuck. Eine bunte Mischung von dicht an dicht gereihten Produkte – von kulinarisch bis dekorativ und praktisch – lädt die Kaufwilligen zum Kauf und die Flanierer zum Schauen ein. Weihnachten schickt seine Vorboten auf die Herbstmärkte, außergewöhnliche Kerzen und üblicher Schmuck locken die Kunden. Der größte Teil der zahlreichen Textilien und Taschen ist nicht handgefertigt, sondern gängige Ware.

Kunsthandwerker, die ihre Profession vor Ort ausüben, sind rar, vereinzelt wird graviert oder werden Gürtel angepasst. Ins Auge fällt Keramik aus Riga. „Die Farbe, die Formen – wunderschön, sowas liebe ich“, urteilt Hella Stallbaum über die Behältnisse, die Ostseeflair versprühen. „Das kommt bei mir ins Wohnzimmer, in die Mitte auf den Tisch“, freut sich die ältere Dame. „Man wird verführt von diesem Angebot, ich habe für die Haustür einen Kranz gefunden, eigentlich wollte ich den nicht kaufen, aber man nimmt mehr mit, als man braucht“, erzählt Heidi Seidel-Mertin und zeigt, bevor sie sich zum Gürtelstand, der ihr besonders zusagt, aufmacht, noch kleine Holzsterne, die sie schon mal für das Fest der Feste mitgenommen hat. Wie Stefan Berrisch, der gerade für den 18 Monate alten Oskar eine mit Wasser zu füllende Tonpfeife und für sich und seine Frau ein Türschild erworben hat, nannte Heidi Seidel-Mertin Weihnachten als Hauptgrund für den Besuch.

Obwohl sich Tobias Finkes Produkte für diesen Zweck eher weniger eignen, weil man sie anprobieren muss, kann sich der „behütete“ Standbetreiber vor Kunden nicht retten. „Es gibt nur noch wenige Betriebe in Europa, die Kaninchenhaar noch filzen können“, erläutert er einer Kundin, die den rot bedeckten Kopf vor dem Spiegel hin und herdreht, über seine prägnant in Szene gesetzte Ware, die er als „Oberklasse des Hutes“ bezeichnet. „130 bis 140 Arbeitstage benötigt man für einen solchen Hut“, erklärt der Aussteller, der nicht nur das Label „Handgemacht“ erfüllt und als einer der wenigen wirklich Hochwertiges anbietet, sondern sich auch angetan von der CD-Kaserne als Ausstellungsort zeigt: „Das lebt, das Ding.“ Für den Markt insgesamt trifft dieses nicht zu. Wenn man überhaupt von Atmosphäre sprechen will, dann ließe sie sich mit einem Wort beschreiben: kalt.

Von Anke Schlicht