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Celle Stadt Kunstmuseum Celle lädt zum experimentellen Sommerkunstprojekt ein
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kunstmuseum Celle lädt zum experimentellen Sommerkunstprojekt ein
16:07 14.09.2017
Quelle: Julia Otto
Celle

Beuys war Aktionskünstler, Bildhauer, Zeichner, Lehrender, Denker, Revolutionär, Missionar, Nervensäge, Prophet, Provokateur und noch manches mehr. Mit seinen Werken, Aktionen, Texten und Ideen hat er zu Lebzeiten extrem polarisiert. Julia Otto und ihre Kollegin Daphne Mattner wollen nun wissen (und ausprobieren), wie aktuell Beuys‘ Ideen sind. Gemeinsam mit der Licht- und Medienkünstlerin Vera Doerk, Professorin für Mediale Raumgestaltung in Hamburg, haben sie dazu ein Kunstspielfeld über zwei Etagen angelegt. Ein zunächst leeres Feld, auf dem Intuition aber „Dünger und fruchtbaren Boden“ findet. So warten auf die interessierten Besucher 300 Holzkisten. Manche sind leer, andere stecken voll wundersamer Dinge und Ideen, die man mit Licht zum Leuchten bringen kann. Dazu erhält man im Foyer leihweise eine Taschenlampe. Denn das ist der Clou: Wie bei einem Diaprojektor wird die jeweilige Installation aus der Kiste auf die Decke projiziert. Aber nicht statisch, sondern den Bewegungen der führenden Hand folgend und auch in der Schärfe der Darstellung von den eigenen Handbewegungen abhängig. So ergeben sich immer wieder neue Licht- und Schattenspiele, immer neue deutbare oder rätselhafte Bilder. Wie das dann aussieht, kann man mit Worten nur unzureichend beschreiben. Man muss es einfach gesehen haben.

Noch interessanter allerdings als nur zu schauen ist es, selbst aktiv zu werden. Dazu müsse man sich allerdings „aus dem rationalen Modus lösen und spielerisch auf Entdeckungsreise gehen“, erläutert Otto. Man müsse sich quasi aus dem Bauch heraus an seinen eigenen Ideen entlang hangeln und Schritt für Schritt Erfahrungen sammeln. Was dabei rauskommt, „ist manchmal wie ein kleines Wunder“, habe sie im bisherigen Verlauf festgestellt. Jeder ist eingeladen, diese Erfahrung auch für sich zu machen. Beuys‘ Kiste dient dabei als anregendes „Sprungbrett“ für das experimentelle Sommerkunstprojekt, das für jeden Teilnehmer mit einer leeren Kiste beginnt. In der „Tüftelwerkstatt“ im Dachgeschoss warten dazu allerhand Materialien zum Verbauen, von Drähten und Kleinteilen über farbige Bastelfolien bis zum Befestigungsmaterial. Auf diese Weise geistige Prozesse in Gang zu setzen, das Bewusstsein zu stärken und zu entwickeln, hat Beuys als „soziale Plastik“ bezeichnet. Kreatives menschliches Handeln habe er als „Wärmeskulptur“ begriffen, die sich weit über den Bereich der Kunst hinaus ins Soziale und Politische ausdehne, erläutert Otto.

Von Rolf-Dieter Diehl