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Celle Stadt Kunstvoll-amüsante „Ameisen auf Papier“ begeistern Celler
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kunstvoll-amüsante „Ameisen auf Papier“ begeistern Celler
16:23 03.09.2017
Wolf List liest aus "Prinzessin Insomnia & der Nachtmahr". Quelle: Oliver Knoblich
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Prinzessin Dylia ist mit einer unheilbaren Krankheit geschlagen, deren Symptom eine monströse Schlaflosigkeit ist. Wenn das ganze Schloss schläft, geistert sie als personifizierte „Insomnia“ durch Gänge und Fluren und ersinnt alle möglichen Wort- und Gedankenspiele zur Ablenkung und Belustigung und um die Zeit sinnvoll zu nutzen. All die Versuche der Gelehrten und Wissenschaftler Zamoniens, ihr zum Schlaf zu verhelfen, sind bisher fehlgeschlagen.

„Meine Gedanken sind meine Freunde“ sagt sie – im Gespräch mit sich selbst und ihrem Spiegelbild, aus dem ihr ein Abklatsch ihres Ichs mit dunklen Augenringen entgegenschaut. Nach 18 Nächten ist sie einem Rauschzustand nahe und hat, körperlich scheinbar abgerückt, eine ganz eigene Perspektive auf ihre Person. Ihr Gehirn mit all den Gedanken und Erinnerungen ist ihre ganz private Schatzkammer. Längst ist das Ärgernis zu einem Vergnügen geworden: Geschärfte Sinneswahrnehmung statt Langerweile und ungestört der Freiheit der Gedanken, Inspirationen und Wortakrobatik nachgeben.

Die Lust zu Fabulieren des Autors, der sich seit dem zweiten Band bescheiden „nur als Übersetzer“ der Werke des großen Hildegunst von Mythenmetz ausgibt, findet sich in jeder Zeile. Auch diesmal hat sich Moers ein lustvoll-verspieltes Bällebad der Worte, voller Ironie und zahlreicher Anspielungen, gegönnt und seiner literarischen Fantasie vollen Lauf gelassen.

Von Doris Hennies