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Celle Stadt Kuratorenführung im Museum und im Atelier des Celler Künstlers RWLE Möller
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kuratorenführung im Museum und im Atelier des Celler Künstlers RWLE Möller
13:06 17.04.2018
Kuratorin Jasmin-Bianca Hartmann vor RWLE Möllers Bild „Der Feuerkopf (Marinus van der Lubbe)“ aus dem Jahr 1995 (großes Foto). An der Garderobe im Wohnhaus an der Zöllnerstraße hängen auch 17 Jahre nach Möllers Tod Sakko und Strohhut. Unter dem Dach befand sich das Atelier. Den Kopf von Arno Schmidt schnitzte RWLE Möller selbst für die Haustür. Quelle: Joachim Gries
Celle

Einen besonderen Einblick bot Kuratorin Jasmin-Bianca Hartmann am Sonntag 16 Interessierten, denen sie die Tür zu Möllers Haus in der Zöllnerstraße öffnete und so Zutritt in seine Welt gewährte. Eigentlich war der Rundgang, der in der Ausstellung im Bomann-Museum begann, auf zwölf Personen beschränkt, doch das Interesse an Werkschau und Rahmenveranstaltungen ist unerwartet groß.

In der Ehrenhalle des Bomann-Museums mit dem beherrschenden Bild von der Schlacht in der Göhrde 1813 hatte der Antimilitarist Möller bereits 1983 ausgestellt. Damals präsentierte er Fotografien aller Fachwerkfassaden der Altstadt. Seine Idole in der Malerei seien Edward Hopper und Andy Warhol, sein Idol als Schriftsteller sei der Autor Arno Schmidt gewesen, so Hartmann. So taucht denn der Bargfelder auf vielen Bildern auf.

Mit dem Bildzeitungsargumenteautomat hatte sich Möller kritisch mit dem Boulevardblatt auseinandergesetzt. Nach dem Einwurf von 20 Pfennigen gab es – nichts. Doch als bei einem Umzug in Berlin, wo er von 1973 bis 1976 lebte und eigentlich Filmemacher hatte werden wollen, ein an die Hauswand gelehntes Bild verschwand, fand es Möller mit Hilfe der Berliner Ausgabe der Zeitung wieder. „Er wusste mit Presse umzugehen, sie zu nutzen“, sagte Hartmann.

Bereits am Samstag hatte der Celler Politikwissenschaftler und Autor Reinhard Rohde in seinem Vortrag „Celle von Möller bis heute – Leben in der Provinz nach 1968“ die Protestkultur in der Stadt vom Jahr des Aufbruchs bis in die jüngste Vergangenheit nachgezeichnet. Er stieg laut ein mit einem Mitschnitt des Auftritts der Band „The Who“ und ihrem Song „My Generation“ beim Beat-Club von Radio Bremen. Die Sendung versammelte ab 1965 die Jugend vor den Bildschirmen und vermittelte ihr das Gefühl, Teil einer weltweiten Bewegung zu sein. „Die internationale Welt kam ins eigene Wohnzimmer“, beschrieb es Rohde.

Konflikte habe es damals genug gegeben: Lange Haare und kurze Röcke, alte und neue Nazis, Vietnamkrieg und Bildungsnotstand. „Die Provinz ist nicht länger abgeschnitten“, sagte Rohde. Studierende hätten bei Besuchen zu Hause ihre Erfahrungen mit Celler Schülern ausgetauscht. Am 20. Mai 1968 kam es in Celle anlässlich eines Treffens der Kulturminister zu einer ersten großen Demonstration von Schülern, Lehrern und Eltern.

Als weitere Stichpunkte nannte Rohde Proteste gegen eine Parade der Bundeswehr mit 60 Panzern in der Altstadt im April 1969 oder die Initiative für ein unabhängiges Jugendzentrum ab 1971. Mit der Benennung von Lutterloh als Standort für eine atomare Wiederaufbereitungsanlage kam 1976 die lokale Anti-Atomkraftbewegung in Schwung. Ebenfalls in den 1970er Jahren kamen Frauen-, Weltladen, Friedens- und Alternativbewegung auf. Da die Cellesche Zeitung laut Rohde nicht oder einseitig berichtet habe, habe ab 1981 eine Alternativpresse unter verschiedenen Titeln die Informationen publik gemacht. Mit Möller zusammen erarbeitete Rohde 1985 den antifaschistischen Stadtplan.

Der Celler berichtete auch von Erfolgen des lokalen Protests. Nach Demonstrationen gegen das Stahlhelm-Treffen 1983 oder das Treffen der Ritterkreuzträger 1993 hätten die Organisationen jegliche Reputation verloren und auch die Unterstützung der Bundeswehr eingebüßt.

Dietrich Höper, Ex-Ernestiner und Vorstandsmitglied des Verbands Entwicklungspolitik Niedersachsen ergänzte Rohdes Ausführungen, und auch Klaus Jordan aus Faßberg gab als letzter Geschäftsführer des von 1969 bis 1971 existierenden „book-shops“ in der Mauernstraße Einblicke in das damalige Geschehen des Aufbruchs. Jordan stellte mit Blick auf die Darstellung von Rohde und Höper klar: „Wir sind als kleine radikale Minderheit verfolgt worden. Es war nicht alles Anekdote.“ „Es hat aber trotzdem Spaß gemacht“, schob Höper nach.

Historikerin Hilke Langhammer vom Bomann-Museum stellte in der Diskussion fest, dass die Akteure in der Celler Provinz besser vernetzt seien als in der anonymen Großstadt. Sie räumte ein, dass Themen wie Alltags- oder Protestkultur von Institutionen wie dem Museum vernachlässigt worden seien und man sich erst sehr spät dafür interessiert habe.

Rohde machte auf Nachfrage deutlich, dass Möller es verstanden habe, sich mit anderen zu arrangieren und es zum Broterwerb auch zu einer Zusammenarbeit mit der Celleschen Zeitung gekommen sei. „Wenn es hart auf hart ging, hatte Mölli immer eine klare Position“, sagte Rohde.

Von Joachim Gries

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