Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Kurden und Deutsche feiern gemeinsam Newroz-Fest im Celler Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Kurden und Deutsche feiern gemeinsam Newroz-Fest im Celler Schloss
13:15 27.03.2017
Während im Theatersaal die Saga über den Schmied Kawa aufgeführt wurde, feierten bereits Hunderte Kurden und Deutsche im Innenhof des Celler Schlosses. Der Frauenverein Hevi bot an seinem Stand kurdische Spezialitäten an. Quelle: Oliver Knoblich
Celle Stadt

Das Newroz-Fest gehört zu den höchsten Feiertagen nicht nur der Kurden, sondern überhaupt der Völker des mittleren Ostens. Es gilt als Friedens- und Neujahrsfest und symbolisiert den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit, des Guten über das Böse.

Zum ersten Mal wurde der Brauch mitten in der Stadt gefeiert. Zentrales Element und Auftakt der Veranstaltung war die Aufführung der Newroz-Legende auf Deutsch und Kurdisch. Bevor die Saga über den Schmied Kawa erzählt wurde, begrüßte Intendant Andreas Döring die knapp 300 Theaterbesucher. Der Celler Niyazi Acar übersetzte. Der Vorsitzende des EKZ, Dervis Duran, sprach von einem „historischen Tag“, den Kurden und Deutsche gemeinsam begingen. Celles Oberbürgermeister Jörg Nigge stimmte dem zu und sagte: „Viel zu lange hat das auf sich warten lassen.“

Dann folgte der Höhepunkt der Feierlichkeiten. Döring und Acar nahmen gegenüber voneinander an den Bühnenrändern Platz und gaben den Blick frei auf eine löchrige Wand aus Holzlatten, hinter der unter anderem drei Schauspieler des Schlosstheaters saßen.

Acar begann auf Kurdisch, die Geschichte vom grausamen König Dahak vorzulesen. Nach wenigen Zeilen stoppte er, und der Theater-Intendant übernahm auf Deutsch. Mit eindringlichen Stimmen und unterstützt von den Schauspielern sowie zwei Kindern erweckten sie eine ferne Welt zum Leben, in der die Menschen Angst und Unterdrückung ausgeliefert waren. Um König Dahaks Krankheit zu heilen, wurden 14-jährige Jungen geopfert. Aus ihren Gehirnen wurde die lindernde Medizin gewonnen. Schließlich lehnte sich der Schmied Kawa gegen den König auf. Er überlistete Dahak und tötete ihn mit einem Hammer. Die Unterdrückung nahm endlich ein Ende.

Dieser Befreiungsschlag spiegelte sich auf der Bühne wider: Die Holzwände verschwanden, und 13 in traditionelle Gewänder gehüllte Frauen begannen zu tanzen und zu singen. Trommelschläge und der Applaus der begeisterten Zuschauer gaben den Takt vor.

Anschließend stießen die Theaterbesucher zu den Feiernden im Schlossinnenhof. Dort wurde der Tanz fortgesetzt. Passend zum Fest des Lichtes wurde ein Feuer entzündet und in die Choreografie eingebunden. Neue Energie tankten die Besucher mit kulinarischen Spezialitäten der kurdischen Küche. Völkerverständigung geht eben auch durch den Magen.

Von Amelie Thiemann