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Celle Stadt Landkreis Celle ändert Vorgehen bei angefahrenen Wölfen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Landkreis Celle ändert Vorgehen bei angefahrenen Wölfen
16:58 20.12.2013
Von Joachim Gries ASCHENBERG. Seit anderthalb Jahren hält sich ein Wolf auf dem riesigen Rheinmetall-Gelände bei Unterlüß auf und unternimmt von hieraus seine Streifzüge durch die Landkreise Celle und Uelzen. Auch schon vor den Toren der Herzogstadt wurde er gesichtet, das Zurücklegen größerer Entfernungen ist für ihn kein Problem. Der Wolf, der neben Bär und Luchs zu den großen Beutegreifern zählt, wurde in vergangenen Jahrhunderten gnadenlos gejagt, bis er aus vielen Regionen verschwand. Jetzt kehrt er also zurück, der aus den Märchen nur als der „böse Wolf“ bekannt ist. Er geht so heimlich vor, er ist so scheu, dass ihn im Celler Raum bisher nur wenige beobachtet haben. Deshalb müsse sich niemand vor ihm fürchten, sagen Fachleute. Theo Grüntjens, Chef der Rheinmetall-Forstverwaltung, setzt auf genau diese Aufklärung. Zu der will jetzt auch eine Veranstaltung im Filmtierpark Eschede von Joe Bodemann beitragen. Am Sonnabend, 23. Februar, findet um 17 Uhr im Dschungelcafé in Aschenberg ein Wolfsabend statt. Dirk Neumann wird einen Diavortrag halten, einen Film zeigen und über den Wolf informieren. Neumann ist promovierter Tierarzt und Fachtierarzt für Wildtiere und beschäftigt sich seit vielen Jahre mit Wölfen. Er hat Vergleiche mit Hunden angestellt und ist der Frage nachgegangen, ob sich Wölfe überhaupt domestizieren lassen. Neumann betreibt im Tierpark Kalletal zwischen Rinteln und Bad Salzufen eine Wolfsschule und hat ein kanadisches Wolfsrudel ausgebildet. In der Veranstaltung werden die Besucher auch Wölfe aus Joe Bodemanns Filmtierpark erleben. Sechs kleine Wölfe kamen im vergangenen Mai in den Park und wurden mit er Flasche aufgezogen. Bald sollen sie hier ein großes Freigehege beziehen. Parlo ist ihr Leitwolf, wiegt inzwischen 45 Kilogramm und geht an der Leine. Filmtiertrainer Bodemann hofft, dass einer seiner Wölfe auch bei einer Fernsehproduktion mitspielen kann, in der die ARD eigentlich Hunde vorsieht. Für d Quelle: Joachim Gries
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„Ein Wolf ist extrem robust und er würde sich im Zweifel sogar mit zwei gebrochenen Beinen von der Unfallstelle schleppen, wenn er es kann”, sagt Wessel. Ein Wolf, der liegen bleibe, sei also so schwer verletzt, dass eine medizinische Behandlung nur sehr schwer durchführbar sei. „Mal ganz abgesehen von den Kosten muss man auch sehen, dass das Tier, wenn es noch bei Bewusstsein ist, erheblichen Widerstand leisten und lange unter Narkose gehalten werden müsste”, sagt Wessel. Am Ende einer lange Reha-Phase sei es dann auch fraglich, ob ein solches Tier überhaupt wieder in die freie Wildbahn entlassen werden könnte.

So weit, so nachvollziehbar, aber trotzdem würde wohl derzeit kaum ein Polizeibeamter oder Jäger die Entscheidung treffen und ein Tier von seinen Qualen erlösen. Denn der Wolf ist streng geschützt, eine Tötung kann bis zu fünf Jahre Haft und 50.000 Euro Geldstrafe bedeuten. Nur ein verbeamteter Tierarzt darf die Tötung eines Tieres anordnen. Auf diesem Standpunkt steht derzeit das Umweltministerium.

Deshalb wird der Kreis, sollte ein solcher Fall im Landkreis Celle auftreten, laut Kreisrat Michael Cordioli derzeit den juristisch sichereren Weg wählen. „Das bedeutet, die Kreisbereitschaft der Veterinäre wird verständigt. Allerdings werden wir auch mit dem Umweltministerium reden, um eine praktikable Lösung hinzubekommen”, so Cordioli. Er weiß sich einig mit den beiden Bundestagsabgeordneten Kirsten Lühmann (SPD) und Henning Otte (CDU). Beide halten eine Gesetzesänderung nicht für erforderlich, da sich die Handlungsmöglichkeit aus dem Tierschutzgesetz ergibt, wonach kein Tier unnötig leiden.

Der Celler Amtstierarzt macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er sauer ist über die praxisferne Haltung des Umweltministeriums. „Mit der derzeitigen Regelung, nach der dann Amtstierärzte erst an den Ort kommen müssen, wird das Leiden von Tieren sehr in die Länge gezogen”, so Wessel. Die Gespräche mit dem Ministerium sollen laut Cordioli zeitnah geführt werden. (th)

Von Tore Harmening