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Celle Stadt Landkreis Celle hat höchsten Schuldenstand in ganz Niedersachsen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Landkreis Celle hat höchsten Schuldenstand in ganz Niedersachsen
17:41 03.11.2017
Von Simon Ziegler
Celle Stadt

Auch bei der Pro-Kopf-Verschuldung steht kein anderer Landkreis so schlecht da wie Celle. Durchschnittlich ist demnach jeder Bewohner zwischen Faßberg und Wathlingen mit 808 Euro verschuldet. Das ist mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der niedersächsischen Landkreise. Im Schnitt stehen die Niedersachsen, was die Verschuldung der Regionen betrifft, mit lediglich 375 Euro bei Banken in der Kreide. Die Zahlen legte das Innenministerium vor. Der Celler Schuldenstand sei bedenklich, heißt es.

Der Landkreis argumentiert, dass die hohen Verbindlichkeiten im Wesentlichen mit den Schulen zusammenhängen. Der Landkreis hat seit 2004 alle weiterführenden Schulen in seiner Hand, auch die Einrichtungen im Celler Stadtgebiet. Das bringt viele Vorteile, weil eine Schulpolitik „aus einem Guss“ gemacht werden kann. Nachteil ist, dass alle Investitionen – Ganztagshäuser, Mensa-Bau, Erweiterungen, Modernisierungen – vom Landkreis bezahlt werden müssen. 2004 lag der Schuldenstand noch bei 50 Millionen Euro. Die Verbindlichkeiten haben sich seitdem also verdreifacht.

Es gebe kaum einen Kreis in Niedersachsen, bei dem die Schulen alle in einer Hand seien, sagte Landrat Klaus Wiswe der CZ. „In anderen Kreisen sind die Schulden deshalb verteilt." In den vergangenen Jahren habe es hohe Investitionen im Schulbereich gegeben. Zum Bau von Mensen sei die Sanierung alter Schulgebäude dazu gekommen. "Wir müssen aber runter von den hohen Schulden“, räumte Wiswe ein.

Der Landkreis Celle rechnet für 2018 im Ergebnishaushalt mit einem Überschuss von 3,9 Millionen Euro. Der Kreis ist also liquide. Einnahmen von 308 Millionen Euro stehen Ausgaben von 304 Millionen Euro gegenüber. Der Hebesatz für die Kreisumlage, also der Betrag, den die Kommunen an den Landkreis überweisen, soll bei 50,5 Prozent bleiben. „Die Wirtschaftslage ist ausgesprochen günstig“, so Wiswe.

Die Finanzierung von Schulsanierungen hat unterdessen auch bei einem Treffen von niedersächsischen Oberbürgermeistern eine Rolle gespielt. Sie pochen angesichts der beginnenden Koalitionsverhandlungen zwischen SPD und CDU auf ein deutlich stärkeres Engagement des Landes bei den Themen Kinderbetreuung und Schulsanierung. Die immer wieder versprochene Drittellösung bei den Kindertagesstätten müsse endlich wahr gemacht und auch in einem Koalitionsvertrag verankert werden, betonte gestern Heiger Scholz, Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, nach der Oberbürgermeisterkonferenz. An dem Treffen in Cuxhaven nahmen 10 der 17 Oberbürgermeister Niedersachsens teil.

Die Regelung sieht vor, dass Land, Eltern und Kommunen je ein Drittel der Kosten für die Kindertagesstätten übernehmen. De facto entfielen aber 60 Prozent auf die Kommunen, 15 bis 20 Prozent auf die Eltern und etwa 20 bis 25 Prozent auf das Land, kritisierte Scholz. Die Berechnung der vom Land erstatteten Betreuungszeiten von vier Stunden sei obsolet. Längst sei die Drei-Viertel- oder Ganztagsbetreuung die Regel. Mit Blick auf den maroden Zustand vieler Schulen aus den 60er und 70er Jahren mahnten die Oberbürgermeister laut Scholz eine Beteiligung des Landes an den Kosten an.