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Celle Stadt Landschaftsschutzgebiet Südheide ist komplett
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Landschaftsschutzgebiet Südheide ist komplett
18:34 16.06.2016
Celle Stadt

In einem letzten großen Versuch hat die Opposition am Mittwoch im Kreistag versucht, zumindest „das zu retten, was noch zu retten ist“, wie Gerald Sommer (Grüne) es formulierte. Die Minderheit wehrte sich gegen die Verabschiedung der Neuordnung des Landschaftsschutzgebietes Südheide (LSG).

Und ein letztes Mal stellte Sommer den Antrag, das gut 220 Hektar große Gelände der Firma Rheinmetall nahe Unterlüß nicht wie vorgesehen aus dem LSG auszugrenzen. Dies sei aus seiner Sicht ein „Geschenk an die Rüstungsindustrie“. Ihm müsse mal jemand erklären, warum diese Flächen ausgegrenzt würden, Waldflächen daneben aber nicht. Die hätten die gleiche Wertigkeit, auch die übrigen Ausgrenzungen würden eher Geschenke an die Landwirtschaft sein, so sein Fazit. „Hier werden private Interessen über die Balance in der Natur gestellt“, so Sommer.

Auch die Sozialdemokraten wehrten sich gegen den Beschluss. „Natur braucht Fläche“, sagte Manuela von Butler. Jeden Tag würden in Deutschland 70 Hektar Fläche verbraucht. Das Ziel sei, diesen Wert auf 30 Hektar zu senken und „irgendwann muss es auch mal genug sein“. Ein LSG sei kein Selbstzweck, sondern die Gesellschaft müsse realisieren, dass „wir die Natur brauchen“, so von Butler weiter. In der gegenwärtigen Form sei das LSG nicht gut genug, um zuzustimmen.

Vertreter der Mehrheitsgruppe wiesen die Argumente zurück. „Mit der doppelten Beteiligung aller Träger öffentlicher Belange, aller Privatleute und auch den Vertretern des sanften Tourismus war es die Bestrebung, einen sehr sorgfältigen und bis ins Detail ausgewogenen Plan aufzustellen. Dieses LSG bietet jetzt den Rahmen für ein gutes Miteinander. Ich würde Sie alle ermuntern wollen, diesen Entwurf jetzt auf den Weg zu bringen“, sagte Irene Rathe (CDU). Dem Ansatz, dass genau die gleiche Flächenanzahl ein- wie ausgegrenzt werden müsse, liege letztlich eine Doktrin zugrunde.

Ulrich Kaiser (WG) ergänzte, dass es auch darum ginge, Rechtssicherheit zu schaffen. „Insgesamt hat sich das LSG nicht verschlechtert, denn wir haben auch viele schutzwürdige Flächen aufgenommen. Auch das Thema Wieckenberger Bruch, so seine Prognose, werde demnächst wieder auf die Tagesordnung kommen. Im Übrigen wunderte er sich darüber, dass die SPD im Kreistag vehement für den Schutz von Flächen eintreten würde, in Lachendorf aber die Sozialdemokraten ein Baugebiet unterstützten, für das Wald abgeholzt werden solle, obwohl Ackerflächen vorhanden sein.

Ernst-Ingolf Angermann (CDU) wies die Verbindung zwischen der LSG-Entscheidung und dem Flächenverbrauch zurück. „Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun“, so Angermann. Mit der Entscheidung würden die "Sünden der Vergangenheit" geheilt. „Wenn man das LSG zu Beginn bis an die Dachrinne der Häuser plant, ist es kein Wunder, wenn es zu Ausgrenzungen kommt.“

Am Ende wurde über den Antrag der Grünen, das Rheinmetall-Gelände im LSG zu belassen, gar nicht erst abgestimmt. CDU, FDP und WG votierten gleich für die gesamten Änderungen, die die Ausgrenzung des Areals bei Unterlüß mit einschließt.

Tore Harmening

Von Tore Harmening