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Celle Stadt Langfinger-Duo aus Landkreis Celle vor Gericht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Langfinger-Duo aus Landkreis Celle vor Gericht
15:32 09.08.2017
Celle Stadt

Die beiden Angeklagten wirkten nervös. Die 48-Jährige zupfte während des Gesprächs mit der Verteidigerin an ihrem rosafarbenen Blazer sowie an ihrem auf dem Tisch liegenden Talisman, einem Stofftier, herum. Ihr drei Jahre jüngerer Lebensgefährte saß eingerahmt zwischen seinen Anwälten und tauschte letzte Informationen aus, bevor Richter Ulrich Subatzus die Hauptverhandlung vor der 4. Großen Strafkammer eröffnete.

Die Staatsanwältin schilderte die Vorwürfe detailliert. Dem Beschuldigten wirft die Anklage neun Wohnungseinbrüche verteilt über den gesamten Landkreis Celle vor, verübt zwischen September 2016 und Januar dieses Jahres. Der Angeklagte fuhr in der Gegend herum, spähte die Objekte aus und hebelte kurzerhand schlecht gesicherte Terrassentüren sowie kleine Fenster mittels Schraubenzieher auf. Anschließend durchwühlte er die Räume und raffte Bargeld, Schmuck und technische Gerätschaften zusammen. Bei einem seiner Einbrüche stahl er neben einer Fotoausrüstung im Wert von mehr als 8000 Euro auch 13 hochwertige Armbanduhren.

Seine ebenfalls angeklagte Lebensgefährtin soll anschließend viermal die entwendeten Wertsachen über eine Plattform im Internet verkauft haben, „um sich eine auf Dauer eingerichtete Einnahmequelle zu verschaffen“, wie die Staatsanwältin schlussfolgerte. Rechtlich erfülle das den Tatbestand der gewerbsmäßigen Hehlerei. Im Januar klickten nach einem gescheiterten Einbruch die Handschellen.

Vor Gericht legte der 45-Jährige reumütig ein umfassendes Geständnis ab und berichtete aus dem Schaffensdrang kriminellen Wirkens. „Habe das alles aus Geldnot begangen“, führte der Vater einer 22-jährigen Tochter als Erklärung an. Auf Bitte von Richter Subatzus präsentierte der Angeklagte seinen Lebenslauf. Als er vor neun Jahren aus dem Gefängnis kam, heuerte er mehrere Jahre als Lkw-Fahrer für eine Spedition an. Alles lief in geordneten Bahnen. Ein Ereignis im April 2011 machte dies zunichte: Er wurde Zeuge eines schweren Unfalls, bei dem sein Kollege starb. „Ich war in vielen Krankenhäusern, habe einfach nichts Positives mehr gesehen.“ Der Mann begann Spielcasinos aufzusuchen und häufte einen Schuldenberg an.

Aufgebracht wandte sich der Angeklagte an Kammer und Staatsanwältin: „Meine Verlobte hat mit der Sache nichts zu tun, ich benutzte den Account.“ Die 48-Jährige bestätigte dies, bestritt die Vorwürfe vehement und weigerte sich, Nachfragen zu beantworten.

Ein Geschädigter aus Wienhausen beschrieb, wie seine Familie durch den Einbruch traumatisiert wurde. „Wir hatten eine schwere Zeit“, gab der Geschäftsmann zu Protokoll und fügte mitgenommen hinzu, dass er seine geplante Hochzeit wegen der schlechten gesundheitlichen Verfassung seiner Partnerin absagen musste.

Das Urteil soll voraussichtlich am 25. August fallen.

Von Benjamin Reimers