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Celle Stadt Leben zwischen Glanz und Gosse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Leben zwischen Glanz und Gosse
16:06 02.11.2018
Unter der Regie von Sebastian R. Richter steht Johanna von Gutzeit auf der Celler „Turmbühne“. Quelle: Schlosstheater Celle / Engelke
Celle

„Die Zeiten sind furchtbar, keiner hat Geld, und es herrscht ein unsittliches Fluidum – denkt man bei einem, den kannst du anpumpen – pumpt er einen im Augenblick schon selber an.“ Mit diesen Worten beschreibt Doris die ausgehenden Jahre der Weimarer Republik, die aktuell in Film und Fernsehen ein häufig anzutreffendes Thema sind. „Auch das Schlosstheater legt in dieser Spielzeit einen Schwerpunkt auf die 20er Jahre“, erläutert Dramaturg Matthias Schubert. Doris ist die Protagonistin eines Romans, der in seinem Erscheinungsjahr 1932 über die Grenzen Deutschlands hinaus für Furore sorgte und seiner Autorin Irmgard Keun Anerkennung im Literaturbetrieb verschaffte. Die Leser rissen sich um „Das kunstseidene Mädchen“, die Kritik überschlug sich. Mehrfach wurde der Stoff bereits als Theaterstück präsentiert, nun wird er unter der Regie von Sebastian R. Richter und mit Johanna von Gutzeit in der Hauptrolle auch auf der Celler „Turmbühne“ zu sehen sein.

Keun nahm mit ihrer zentralen Figur Doris die Perspektive der kleinen Leute ein, und hier speziell die der jungen Frauen, für die sich in dem Jahrzehnt nach dem Ersten Weltkrieg neue Arbeitsmöglichkeiten in den Großraumbüros von Firmen und Verlagen auftaten. Das junge Mädchen ist ihre Stelle als Stenotypistin in der mittelgroßen Heimatstadt soeben los geworden und sucht nun – angezogen von dem schönen Schein der Kinofilme – ihr Glück in der Großstadt Berlin. „Ich will so ein Glanz werden, der oben ist. Mit weißem Auto und Badewasser, das nach Parfüm riecht, und alles wie Paris.“ Doch die große Welt bleibt ihr verwehrt, die Gosse ist ihr näher als der Glanz. Keun lässt den Leser Berlin ausschließlich durch Doris‘ Augen erleben, sie verfasste den Roman in Form eines inneren Monologs ihrer Heldin, die sie auf besondere Art erzählen lässt. Der Stil war ein Garant für absolute Authentizität, viele Leser fanden sich wieder. Keun mischte beißende Gesellschaftskritik zwischen die Zeilen ihrer unintellektuellen, aber durchaus nicht naiven Protagonistin, die in ganz eigener Weise wahrnimmt, beobachtet und ihre Schlüsse zieht. Und immer ist sie am Puls der Zeit, kennt die neuesten Filme, gängigen Schlager und angesagten Kneipen.

Johanna von Gutzeit ist ein Fan der Geschichte, hat sich die Rolle gewünscht, speziell hat es ihr jedoch die Sprache des jungen Mädchens angetan: „Unfassbar zauberhaft“, beschreibt von Gutzeit Doris‘ Ausdrucksweise, die die Autorin geschickt für Satire nutzte, manche hochtrabende Konversation von sogenannten Intellektuellen als verblasenes Gerede entlarvt.

In der Regie von Sebastian Richter steckt auch viel von von Gutzeit: „Wir erarbeiten das Stück gemeinsam“, sagt er. Wie das Team mit Dramaturg Matthias Schubert als Drittem im Bunde die Geschichte vor dem letzten Satz des Romans: „Auf den Glanz kommt es nämlich vielleicht gar nicht so furchtbar an“, den Zuschauern erzählt, ist bei der Premiere am 16. November auf der Turmbühne zu erleben.

Von Anke Schlicht

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